ZINIO Logo
EXPLORARMI BIBLIOTECA
Brigitte WIR

Brigitte WIR

03/2021
Añadir a favoritos

"BRIGITTE WIR wendet sich an weltoffene und lebenskluge Frauen über 60, die jünger, fitter und unternehmungslustiger sind als jede Generation vor ihnen. Sie sind ganz viele, sie werden immer mehr – und sie wollen weder sich noch ihr Alter verstecken. Ihr Lebensgefühl: eher heiter. Die BRIGITTE WIR-Leserinnen können über vieles lachen, auch über sich selbst. BRIGITTE WIR ist ein neues Magazin, das die Wünsche, die Trauer und die Träume dieser Generation spiegelt. Es erzählt berührende Geschichten über den Verlust von Schönheit und Gesundheit, über den Wert von Freundschaft und spricht mit spannenden Künstlerinnen. Jede Ausgabe bietet neben Gesundheits-, Psycho- und Kulturthemen einen ausführlichen monothematischen Service-Teil, etwa zu den Themen Wohnen, Geld oder Medizin."

Leer Más
País:
Germany
Idioma:
German
Editor:
DPV Deutscher Pressevertrieb
Periodicidad:
Bimonthly
ESPECIAL: Sparen Sie 40% des Abopreises mit dem Code JOY40
COMPRAR NÚMERO
2,90 €(IVA inc.)
SUSCRIBIRSE
16,52 €(IVA inc.)
6 Números

en este número

3 min.
editorial

Liebe Leserin, DER FELS IN DER BRANDUNG, die alte Eiche oder die Ritterburg haben ein simples Konzept: Sie geben einfach nicht nach. Und sehen dabei auch noch super aus. Kann es sein, dass wir dieses Ideal des gepflegten Erscheinungsbilds bei tadelloser Haltung verinnerlicht haben? Egal, welcher Schlag uns trifft: Wir wollen uns nicht unterkriegen lassen. Schlappmachen, klagen oder zugeben, dass wir Hilfe brauchen? Bloß nicht. Haare raufen? Um Himmels willen. Die Frisur soll sitzen, das Krönchen ist doch drin befestigt. Und ewig raunt die innere Stimme: Kopf hoch, Bauch rein, Rücken gerade! Für die Stabilität der Knochen ist so etwas ja auch eine gute Übung, wie BRIGITTE WIR-Redakteurin Diana Helfrich in unserer neuen Serie über Frauengesundheit (S. 84) erklärt. Der Seele aber hilft etwas anderes: Akzeptanz. Psycholog*innen beschreiben diese Einstellung,…

2 min.
mein silberfisch

Meine Freundin, der Silberfisch, wollte immer schon raus aus der Stadt – im Alter. Und zurück in ihre Heimat – an die Ostsee. In das Elternhaus, das sie vor Jahren radikal und doch behutsam umgebaut hat. Was ich also schon immer wusste: Sie zieht irgendwann weg. Was ich nicht wusste: Irgendwann ist bald. Denn sie ist jetzt „im Alter“. Das war nur mir nicht klar. Als sie neulich ganz nebenbei fragte, ob ich denn ihre Garage übernehmen möchte, wenn sie auszieht, blieb mir kurz das Herz stehen. Zum einen, weil eine Garage in unserem Viertel so selten frei wird wie eine Bank am Wasser in der Sonne. Zum anderen, weil mir in diesem Moment dämmerte, dass es ernst und bald alles anders wird. Für mich klang diese Form der Zukunftsmusik, die…

10 min.
»liebe hört doch im alter nicht plötzlich auf!«

Für das erste Gespräch treffen wir uns in einem Hotel in der Nähe des Hamburger Schauspielhauses. Eva Mattes, 66, ist müde und bestellt gleich einen doppelten Espresso. Sie wird dann schnell sehr wach, der „Doppio“ hat geholfen. Beim zweiten Mal, als ich mich mit Eva Mattes verabrede, muss das wegen Corona online stattfinden. BRIGITTE WIR: Frau Mattes, können Sie sich, trotz Corona, an etwas Lustiges erinnern, das Ihnen in letzter Zeit passiert ist? EVA MATTES: Meine Familie hat mir zu meinem letzten Geburtstag eine Tischtennisplatte geschenkt. Ich habe sie zusammen mit meiner Tochter aufgebaut, was ziemlich kompliziert war. Bei unserem ersten Spiel schrie meine Tochter bei jedem Ball, der auf sie zuschoss, sie fühlte sich total unter Druck. Wir brachen dann vor Lachen fast zusammen. Wenn meine Tochter lacht, muss ich überhaupt…

8 min.
bodensee

Am letzten Tag unserer Reise sitze ich mit meinem Sohn am frühen Morgen in einem Ruderboot inmitten des Bodensees vor der Insel Reichenau. Dunst steigt auf von den Wiesen am Ufer, und das Wasser unter dem Bootsrumpf glitzert und leuchtet in allen Schattierungen von Türkis bis zu diesem ganz speziellen Grün, das sie hier Gumpelgrün nennen. Als wir an einem kleinen Inselchen mit einer mittelalterlichen Kirche vorbeirudern, zieht plötzlich eine Frau mit grauem Zopf über dem braun gebrannten muskulösen Rücken in ihrem Kajak an uns vorbei. Sie grüßt kurz und durchpflügt das Wasser dann weiter in Richtung Allensbach, dessen Häuser in der Ferne wie kleine Legogebäude leuchten. Das ist der Moment, in dem ich denke, wie schön es doch sein muss, an einem See zu wohnen, der groß wie ein…

3 min.
bitte keine höhepunkte mehr!

Ich verlasse das Wohnzimmer, bevor es auf dem Bildschirm richtig losgeht. Wo willst du hin, fragt mein Mann. Ich hol mir ein Bier, erwidere ich. Die Küsserei war noch auszuhalten, zumal ich, inzwischen Kussexpertin, genau beobachte, ob mit offenem Mund geküsst wird oder, wie meist, mit beidseitig zusammengepressten Lippen. Was sehr unsexy aussieht. Das so beliebte Sich-gegenseitig-wild-undungeschickt-Klamotten-vom-Leib-Reißen schau ich mir widerwillig ebenfalls noch an. Aber was dann kommt – Stöhnen, Hecheln, Kopf-hin-und-her-Schleudern –, nein danke. Visuell am peinlichsten finde ich diese vorgetäuschten Höhepunkte. Nichts sieht lächerlicher aus. Ich weiß nicht, wann genau sie anfing, diese Aversion gegen Sexszenen, aber sie ist schlimmer geworden. Da, wo ich in jüngeren Jahren wohlig erschauerte, bin ich jetzt gelangweilt, schäme mich fremd, fühle mich wie eine Stalkerin. Auch meinen Freundinnen geht es so, was natürlich auch…

6 min.
das kann weg!

BRIGITTE WIR: Frau Magnusson, in Deutschland diskutieren wir viel darüber, dass Konsum der Umwelt schadet, andere Menschen ausbeutet und einen selbst oftmals nicht glücklich, sondern unfrei macht. Ist weniger mehr? MARGARETA MAGNUSSON: Oh ja. Es kann sehr erleichternd und beglückend sein, sich von Dingen zu trennen. Das schafft einem Raum, nicht nur äußerlich, sondern auch innerlich. Sie haben ein Buch geschrieben, in dem Sie dafür plädieren, auszumisten und aufzuräumen, bevor man stirbt. Das sei eine sehr schwedische Tradition. Wir nennen das hier „döstädning“. Die Schweden fallen anderen Menschen nicht gerne zur Last. Und wenn man das im Leben nicht will, dann sollte man es auch nach dem Tod nicht. Ich plädiere nicht dafür, alles loszuwerden, sondern nur die Dinge, die überflüssig sind, die man nicht mehr braucht. Überlegen Sie mal, wie viele Kleidungsstücke…