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Estilo de Vida Femenina
Brigitte WIR

Brigitte WIR 01/2020

"BRIGITTE WIR wendet sich an weltoffene und lebenskluge Frauen über 60, die jünger, fitter und unternehmungslustiger sind als jede Generation vor ihnen. Sie sind ganz viele, sie werden immer mehr – und sie wollen weder sich noch ihr Alter verstecken. Ihr Lebensgefühl: eher heiter. Die BRIGITTE WIR-Leserinnen können über vieles lachen, auch über sich selbst. BRIGITTE WIR ist ein neues Magazin, das die Wünsche, die Trauer und die Träume dieser Generation spiegelt. Es erzählt berührende Geschichten über den Verlust von Schönheit und Gesundheit, über den Wert von Freundschaft und spricht mit spannenden Künstlerinnen. Jede Ausgabe bietet neben Gesundheits-, Psycho- und Kulturthemen einen ausführlichen monothematischen Service-Teil, etwa zu den Themen Wohnen, Geld oder Medizin."

País:
Germany
Idioma:
German
Editor:
DPV Deutscher Pressevertrieb
Periodicidad:
Bimonthly
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6 Números

en este número

3 min.
editorial

Liebe Leserin, FRÜHER schien der Januar ein überflüssiger Monat zu sein. Draußen Zwielicht, kahle Äste und frierende Tauben, drinnen Trübsinn, Heizungsluft (S. 92) und anstehende Prüfungen, das letzte Sommerkleid im September, der letzte Kuss im August. Doch mit den Jahren zeigt sich, dass kaum eine Zeit sich besser zum Innehalten eignet als dieser unscheinbare Monat. Jedenfalls wenn die Steuererklärung erledigt ist. Nicht umsonst haben die Römer den Januar nach dem doppelgesichtigen Gott Janus benannt, jener interessanten Figur, die für Ein- und Ausgänge, für den Anfang und für das Ende zuständig ist und zugleich nach vorn und zurück blickt. Auch in unserer Titelgeschichte (S. 18) über die Kraft der Selbstliebe blicken wir zurück – auf all unsere inneren Sätze, die mit „Ich muss …“ begannen, und schieben diese Sätze in der gebotenen Höflichkeit…

2 min.
mein silberfisch

Ganz bald wird sie wieder ein Jahr älter, meine Freundin, der Silberfisch. Das gefällt ihr nicht. Dass ihr Alter hier immer so präsent zu lesen ist, gefällt ihr übrigens auch nicht. Sie sagt, die Zahl der Jahre, 71, passe nicht zu ihrem Gefühl. Und das verstehe ich. Hier kann sie niemand sehen, erleben. Deshalb passiert beim Lesen der Zahl im Kopf das, was Menschen nun mal automatisch tun: Schublade auf, Frau samt Altersinfo rein, Schublade zu. Prompt steckt sie fest, meine Freundin, der Silberfisch, und verstaubt. Warum ich die Zahl trotzdem immer wieder nenne? Weil ich mir wünsche, dass in jedem Kopf mal gut durchgepustet wird, bis der Staub verschwindet und sich die glänzende Zahl dem Gefühl anpasst – und nicht umgekehrt. Dass also die 71 ihre automatische Bewertung verliert:…

11 min.
die frauen vom 78. breitengrad eingenordet

Um drei Uhr nachts griff Hilde Fålun Strøm zum Telefonhörer. In ihrer Wohnung stapelten sich die Umzugskisten, die sie vom Festland hatte verschiffen lassen. Draußen tauchte die Mitternachtssonne die Berge in warmes Licht. Es war August, Spätsommer. In diesen Wochen stanzt die Sonne die Umrisse der Landschaft auf 78 Grad Nord so scharfkantig aus wie zu keiner anderen Zeit im Jahr. Hildes Blick haftete auf dem Hiorthfjell auf der gegenüberliegenden Seite des Fjords, als sie die Nummer ihrer Mutter wählte und sagte: „Es fühlt sich an, als würde ich nach Hause kommen.“ Wenn Hilde heute von ihrer Ankunft auf Spitzbergen erzählt, glänzen ihre Augen, die grün und braun sind wie Tundramoos: 24 Jahre ist es her, als sie mit dem Nachtflug in Longyearbyen landete, dem Hauptort und Verwaltungssitz Spitzbergens. Svalbard, „kalte…

9 min.
selbstliebe ist kein luxus

Gehören Sie zur Spezies der Kümmerin? Haben Sie jahrzehntelang hingebungsvoll für andere gesorgt und alles dafür getan, dass es Ihren Liebsten gut geht? Sind Sie Weltmeisterin in den Disziplinen Freundinnentrösten, Partnerpäppeln, Kolleginnen-helfen, Feste-Ausrichten, Kinderbekochen, Coachen und Finanzieren? Aber statt einer Goldmedaille bekommen Sie zu hören, dass Sie nicht genug tun? Willkommen im Klub! Dabei sind Sie jetzt in einer Phase, in der das Leben keinen Dauereinsatz mehr von Ihnen verlangt. Die Kinder sind aus dem Haus, die Liebesdramen im Freundinnen-kreis halten sich in Grenzen. Der Job tritt in den Hintergrund. Sie müssen niemandem mehr durch Überstunden beweisen, wie topmotiviert Sie sind. Ideale Bedingungen, um von der Pflicht zur Kür zu wechseln, das Fürsorgeprogramm neu auszurichten und sich zur Abwechslung mal ein wenig um sich selbst zu kümmern. Doch womöglich stellen Sie…

9 min.
einfach jil

Wäre Heidemarie Jiline Sander nicht schon als Kind ein so rebellischer Charakter gewesen, es hätte anders kommen können mit der deutschen Mode, die sie dann für Jahrzehnte prägte: „Ich hatte eine Lehrerin, die stets einen bunten Kittel trug. Ich liebte Hosen. Sie mochte das nicht. Aber meine Mutter nähte mir Cordhemden in Rot und Blau, dazu trug ich schwarze Hosen.“ Jil Sander bleibt auch als Erwachsene bei ihrer Vorliebe und beginnt schon in den 1960er-Jahren, Hosenanzüge für Frauen zu entwerfen – das war eine Zeit, als weiblichen Abgeordneten im Deutschen Bundestag noch mit Redeverbot gedroht wurde, wenn sie nicht in Rock oder Kleid auftraten. Geboren wird die kühle Blonde 1943, mitten im Zweiten Weltkrieg, in einem Luftwaffenlazarett in Hedwigenkoog an der Nordsee. Sie ist die zweite Tochter von Erna und Walter Sander,…

6 min.
eine frau versilbert das netz

Gäbe es mehr von ihrer Sorte auf diesem Planeten, niemand müsste sich mehr Sorgen um vereinsamte ältere Menschen machen. Denn die quirlige und patente Dagmar Hirche, 62, denkt sich nicht nur ein Projekt nach dem nächsten aus – sie packt es dann auch zielgerichtet an, setzt Ideen um, vernetzt Beteiligte. Kaum eine Institution in Hamburg, die nicht schon mal von ihr gehört oder ein Projekt mit ihr verwirklicht hätte. „Sagt jemand zu mir, da müsste man mal was machen, dann antworte ich immer: Diesem man bin ich noch nie begegnet. Und ich habe auch noch nie davon gehört, dass dieser man irgendwas umgesetzt hätte.“ 2006 dachte die Marketingfachfrau gemeinsam mit ihren Arbeitskollegen darüber nach, sich doch mal ehrenamtlich zu engagieren. „Was uns in Deutschland überhaupt nicht gefallen hat, war, dass…