AM VORABEND HABEN sie eine ihrer Fallen geleert, nach zehn Tagen, wie sie das seit Jahren tun. Früher füllte die Ausbeute einen Kanister. Heute reicht ein Kunstofffläschchen.
So wenig ist übriggeblieben.
Martin Sorg kippt den Inhalt des Fläschchens in eine Schale: Fluginsekten, ertrunken in 80-prozentigem Ethanol. Ein Knäuel aus Fühlern, Beinchen, Flügeln, Rümpfen.
Krefeld, das Vereinsheim der Entomologen, ein sonniger Tag im Mai. Die schweren Vorhänge vor den Fenstern des Versammlungsraums sind zugezogen, drinnen drängt sich altmodisches Mobiliar. Antike Stühle, zerschlissene Sessel, ein Kofferradio. Auf einem Holztisch stehen Mikroskope.
Entomologie ist die Kunde von den Insekten. Viele der mehr als 60 Mitglieder des Vereins betreiben sie hobbymäßig, was nicht bedeutet: laienhaft. In Fachkreisen gilt vor allem Martin Sorg, seit Jahrzehnten Mitglied der Krefelder Entomologen, als exzellenter Wissenschaftler. Ein asketisch wirkender…