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stern Crime

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31/2020

"Unter dem Motto ""Wahre Verbrechen. Wahre Geschichten."" berichtet STERN CRIME von realen Kriminalfällen und deren Aufklärung, beleuchtet aber auch das Schicksal der Opfer und die Motive des Täters. Das Heft liefert alle zwei Monate einfühlsame Texte und zurückhaltende, aber zugleich eindringliche Bebilderung der Geschichten. Die seriöse Berichterstattung umfasst Interviews mit Ermittlern, beleuchtet Tathintergründe und verschafft fesselnde Einblicke in die polizeiliche Aufklärungsarbeit. Mit seinen Reportagen über wahre Verbrechen spricht STERN CRIME Leser an, die den Nervenkitzel lieben und sich für den psychologisch-sozialen Kontext realer Kriminalfälle interessieren."

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OSTA IRTONUMERO
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6 Numerot

tässä numerossa

2 min
schwächen …

… haben wir alle. Und Verbrecher sind ziemlich froh darüber. Denn menschliche Schwächen sind ihr Startkapital. Unstillbares Verlangen, blinde Gier, lähmende Ängste, Verbohrtheit, Unsicherheiten oder heimliche Sehnsüchte ermöglichen es ihnen, andere zu verführen, zu bedrohen, zu überrumpeln, zu erpressen oder abhängig zu machen. Wir alle können Opfer werden und sind verletzbar. Vielleicht berühren uns deshalb jene Geschichten ganz besonders, in denen Menschen ihre Verletzungen überwinden, um sich gegen den Aggressor zu stellen und sich zu wehren. Solche Geschichten können einen regelrecht euphorisch machen. Etwas ist dabei erstaunlich: Die Menschen in diesen Mutmachergeschichten wachsen nicht unbedingt über sich hinaus und werden zu unschlagbaren Helden. Sie gewinnen vielmehr, weil sie sich ihren Schwächen stellen, sie sich eingestehen und sie auch vor anderen nicht mehr verbergen. Denn genau das ist es, wovon Verbrecher häufig am…

6 min
strafe muss sein! muss sie?

Wer Böses tut, soll büßen. Denn Angst vor Buße hält uns davon ab, Böses zu tun. Diese Überzeugung ist eine Säule des Rechtssystems. Nur ist es so eine Sache mit Überzeugungen Ich war 15. Meine Freundin Gesine und ich kamen auf die Idee zu kiffen. Irgendwie schien das etwas Tolles zu sein. Allerdings hatten wir keine Ahnung, woher wir in Buxtehude Gras bekommen sollten. Also klaubten wir Hanfkörner aus Vogelfutter, mischten sie in Tabak und rauchten das Zeug. Es schmeckte fürchterlich, was wir uns natürlich nicht eingestanden. Ich verkaufte die Dose mit den Körnern ein paar Tage später für vier Mark an einen Typen aus unserer Schule. Ich war froh, den Mist gewinnbringend loszuwerden. Wenig später lud mich die Kripo vor. Ich war verpfiffen worden und stand nun unter Verdacht, eine Dealerin…

20 min
sommerflirren

Sie hat gemodelt und den Traum von der Karriere zwar fürs Erste aufgeben müssen, als sie vor drei Jahren Mutter geworden ist. Aber sie liebt das Leben in der Kleinfamilie und ist vernarrt in ihren Sohn Alex. Mit ihm und ihrem Freund André Hanscombe wohnt sie in einer kleinen Zweizimmerwohnung in Balham, Südwest-London. André war früher Tenniscoach, jetzt ist er Kurierfahrer, hofft aber noch immer auf eine Profikarriere. Sie sind seit drei Jahren ein Paar, in einem öffentlichen Schwimmbad haben sie sich kennengelernt, in dem Rachel als Life Guard arbeitete. Auf fast jedem Foto, das es von ihr gibt, wirbelt ein lebensfroher Blondschopf herum, oft wird sie mit der Frau aus der Timotei-Shampoo-Werbung verwechselt. Manchmal plagen Rachel zwar Selbstzweifel, aber darüber wird später keiner reden. Die Menschen werden entsetzt sein,…

28 min
er dachte, er hätte sie unter kontrolle. aber das war ein irrtum

JAHRELANG GAB ES IN BELMONT, NEW HAMPSHIRE, NUR EINEN EINZIGEN DETECTIVE: Raechel Moulton. Die alte Textilstadt mit 7200 Einwohnern bietet nicht viel für die Touristen, die jeden Sommer in Scharen die an Seen und Wäldern reiche Gegend besuchen. Das Zentrum besteht aus der Main Street mit einem Eisenwarenladen und einem Friseursalon. Eine Filiale der Supermarktkette Shaw ist der größte Arbeitgeber der Stadt. Im Polizeigebäude steht eine Spendendose für den Diensthund Vito, gefüllt mit Kleingeld und Eindollarscheinen. „Es gibt hier bei uns nicht viele Leute, die in Geld schwimmen“, erklärt Moulton. Moulton ist 41 Jahre alt und wuchs in der etwa 30 Kilometer entfernten Landeshauptstadt Concord auf. Ihre Mutter war Geschäftsführerin einer Walmart-Filiale, der Vater reparierte Transformatoren an Strommasten. Sie war ein aufgeschlossenes Kind, das älteste von drei Geschwistern. Als sie klein…

25 min
der kommissar und das mädchen

Dann kommen die Schmerzen, im Bauch, im Rücken, werden immer stärker, und sie fragt sich: Warum? Sie sucht nach Antwort in einem Buch. Unter den Schlagworten findet sie: „Geburt“. Da versteht sie, so wird sie später sagen. Da erinnert sie sich. Im Bett kann sie kaum liegen bleiben, die Wehen, sie läuft auf und ab, sonst dreht sie durch. Zehn Stunden geht das so. Nichts passiert. Sie blättert im Telefonbuch. Eine Hebamme. Sie habe es ja versucht, wird sie später behaupten. Niemand geht ran. Blutungen und Schmerz und Verzweiflung. Nach 23 Stunden, im Morgengrauen, drückt sie es ins Leben. Der Po kommt zuerst und die kleinen Beine. Dann liegt es in der Dusche. Es weitet den Brustkorb. Es weint. Brüllt. Und sie, sie schaut das Ding nicht an. Fühlt sich wie in Watte, wie…

37 min
was für eine waffe

Drei Männer stellen einen gestohlenen Kombi auf dem Parkplatz ab: Louis Moore, 27 Jahre alt, ein kräftiger Typ mit einem künstlichen Schneidezahn aus Silber. Henry Jackson, 25, noch etwas breiter als sein Freund Moore. Beide werden von der Polizei in Detroit gesucht. Und Melvin Cale, 22, in Tennessee aus dem Gefängnis geflohen. Alle drei sind zornig und bewaffnet. Am Tag zuvor haben sie einen Laden überfallen und eine 9-Millimeter-Luger sowie einen Smith-&-Wesson-Revolver erbeutet. Dazu rund 200 Dollar, mit denen sie – im Südstaat Alabama völlig legal – in einem Army-Shop drei einsatzfähige Handgranaten gekauft haben. Birmingham Municipal Airport, Alabama, Freitag, 10. November 1972, 18.30 Uhr. Nun nähern sie sich dem Flughafen, ohne Koffer und Reisetaschen: Jackson und Moore mit je einer Krücke, Cale mit einem Fernglas und einer Kameratasche, die um seinen Hals…