ZINIO logo
EXPLOREMY LIBRARY
art Magazin

art Magazin

07/2021
Add to favorites

ART ist Europas größtes Kunstmagazin und Marktführer im Segment der Kunstzeitschriften. Dabei vereint das Magazin die wichtigsten Highlights aus dem klassischen Kunstbereich mit jungen, zeitgenössischen Themen aus Fotografie, Design und Videokunst und führt kompetent durch das aktuelle Kunstangebot. ART inspiriert und versteht Kunst als wichtigen Anreger in unserer Gesellschaft. Die Grenzen der aktuellen Kunst zu Mode, Design, Musik und Architektur sind fließend.

Read More
Country:
Germany
Language:
German
Publisher:
DPV Deutscher Pressevertrieb
Frequency:
Monthly
BUY ISSUE
£6.43
SUBSCRIBE
£72.36
12 Issues

in this issue

2 min.
das museum als »safe space« – aber bitte für die kunst!

LIEBE LESERIN, LIEBER LESER, lassen Sie sich von Kunst gerne irritieren und provozieren? Oder sind Sie doch schnell beleidigt, wenn ein Werk Ihre Gefühle verletzt? Sind Sie vielleicht sogar eher der Anbetungstyp? Gehören Sie zu den Zeitgenossen, die Werke von gestern streng nach den moralischen Standards von heute beurteilen? Ist Ihnen die Kunstbetrachtung einige Anstrengung wert – oder wünschen Sie sich eine niedrigschwellige Informations- und Deutungsvollversorgung vom Museum Ihres Vertrauens? Pünktlich zur Wiedereröffnung der Kunsthäuser nach langer Pandemiepause hat unser Kolumnist Wolfgang Ullrich einen Essay geschrieben (ab Seite 34), der tief in den Selbstfindungsprozess einsteigt, in dem die Kunstmuseen stecken. Tempel oder Akteur der öffentlichen Debatte, das sind die Pole, zwischen denen die Institution schon lange schwankt. Spätestens seit Hilmar Hoffmann 1979 als sozialdemokratischer Kulturdezernent von Frankfurt/M. mit der Parole »Kultur…

6 min.
gut, dass wir sie gefragt haben!

Der Mai-Ausgabe war ein Brief an die Abonnentinnen und Abonnenten beigelegt, in dem wir fragen, wie wir es in Zukunft mit der gendergerechten Sprache in diesem Magazin halten sollen. Das Echo war überwältigend. Weit über 400 Mails und Briefe haben die Redaktion seitdem erreicht. Es haben etwa gleich viele Frauen und Männer geschrieben, erstaunlich viele Lese-Paare gemeinsam und auch eine Person, die sich als nicht binär definiert. Das ganze Meinungsspektrum der aktuellen Diskussion ist dabei vertreten, viele der Zuschriften sind intensiv begründet und etliche sogar mit ganzen Lebensgeschichten hinterlegt. Manche sind nachdenklich und tastend, andere sehr emotional und entschieden in der Sache. Wir zeigen auf diesen Seiten einen kleinen Ausschnitt Ihrer Wortmeldungen, die zusammengenommen weit mehr als ein ART-Heft füllen würden. Großen Dank für Ihr Engagement und die vielen Komplimente, mit…

2 min.
radar

Wir müssen sprechen Obwohl die Konstruktion aus spitz in den Himmel aufragenden Lanzen martialisch aussieht, ist der Sinn dieser Konstruktion ein friedlicher: Der runde Holzbau, den der chilenische Architekt Alejandro Aravena auf der noch bis 21. November in Venedig stattfindenden ARCHITEKTURBIENNALE im Arsenale errichtet hat, soll ein Ort der Versöhnung und Aussprache sein. Damit thematisiert er den seit Staatsgründung 1818 in Chile herrschenden Konflikt zwischen dem indigenen Volk der Mapuche und dem chilenischen Staat. Das Land der Mapuche wurde enteignet, das Volk wird bis heute unterdrückt. Mit dieser Arbeit bezieht Aravena Stellung für die Rechte der Mapuche und setzt die Leitfrage der Biennale, »Wie werden wir zusammen leben?«, drastisch und gekonnt in Szene. Da guckst du! Wilde Augen glotzen von Monitoren, aus schlingpflanzenartigen Lautsprechern wummert Sound, rotes Licht gibt allem eine Art Gebärmutteratmosphäre.…

2 min.
kunst aus dem off

Würden Sie auch gern wissen, was wirklich in den Köpfen des dauerlächelnden Personals an der Hotelrezeption vor sich geht? Was der übereifrige Kellner im Restaurant über Sie denkt? Oder wie sich die ach so freundlichen Servicekräfte an nörgeligen Gästen rächen? Dem österreichischen Fotografen Lois Hechenblaikner sind solche Einblicke gelungen. Durch Zufall stieß er auf ein Konvolut von etwa 20 000 Karteikarten des Grandhotels Waldhaus in Vulpera im schweizerischen Unterengadin, in dem sich einst Reiche und Schöne verwöhnen ließen, darunter Namen wie Getty, Siemens, Thyssen, Heuss, Kortner und Dürrenmatt. 1989 brannte das Haus ab, aber ein Teil der Kartei wurde gerettet. Hechenblaikner hat mit der Kulturwissenschaftlerin Andrea Kühbacher und Rolf Zollinger, dem letzten Direktor des Waldhauses, daraus ein amüsantes, bisweilen verstörendes Buch gemacht, das gerade in der Edition Patrick Frey erschienen ist.…

2 min.
kunst für eine bessere welt

Eine charmante Lösung für die eklatante Ressourcenknappheit von Sand und Holz beim Häuserbau haben kürzlich MARIO CUCINELLA ARCHITECTS und der Druckerhersteller WASP an der italienischen Adriaküste in der Nähe von Ravenna getestet: ein Haus aus Erde – hergestellt von 3-D-Druckern. Das Verfahren mit dem Namen Tecla (ein Kofferwort aus den Begriffen Technologie und Clay, also Lehm) ist ökologisch nachhaltig und umweltfreundlich, da die Produktion weitgehend abfallfrei ist und kaum Materialien zur Baustelle transportiert werden müssen. Verwendet wird lokaler Boden – alles Weitere – etwa die Drucker oder ein Stromgenerator – kann in einem einzigen Container praktisch an jeden Ort transportiert werden. Die hier abgebildete 60 Quadratmeter große Kuppelkonstruktion wurde von zwei an Roboterarmen befestigten 3-D-Druckern erstellt aus einer Materialmischung von Erde, Wasser, Kalk und Fasern aus Reisspelzen. 200 Stunden dauerte der…

2 min.
aktuell überschätzt

Dass die Kunstbranche manchmal wie eine Geheimwelt anmutet, liegt an ihren vielen Codes und ungeschriebenen Gesetzen. Das geht los beim Vernissage-Dresscode, beeinflusst das Verhalten beim Galeriebesuch und betrifft natürlich auch den Moment des Besitzenwollens eines Werks. Für den Kauf von Kunst gab es – bis vor Kurzem – eine festgeschriebene und nicht so leicht durchschaubare Infrastruktur, bestehend aus Messen, Galerien und Auktionshäusern. Ohne diese Zwischenhändler lief praktisch nichts, und wer sie umging (etwa per Direkteinkauf im Atelier – oder schlimmer noch: im Internet), gab sich einen halbseidenen Ruch und setzte seine hehre Reputation aufs Spiel. Dann kam Corona und mit der Seuche der weltweite Stillstand. Messen wurden abgesagt, Galerien waren dicht, und auch der Auktionshammer fiel nicht mehr in der von nervösem Schweiß getränkten Luft eines voll besetzten Bietersaals. Die heilige…