Eine zarte Kinderstimme ist im Saal 155 des Landgerichts Lübeck zu hören. „Ich glaube, es war ein Dienstag, und es war nachts. Ich habe ganz doll geschlafen.“ Das Publikum kann die Vernehmung des Jungen, die auf Video aufgezeichnet worden ist, hören, der Bildschirm aber ist umgedreht. Nur das Gericht, die Anwälte, Gutachter und der Angeklagte sehen das Kind. „Ich weiß, dass es kein Traum war, weil mein Hund da war.“ Der Junge, damals acht, schildert, wie sein Vater ihn sexuell missbraucht habe. Wie er aufgewacht sei, sich wehrte, den Vater trat. Wie der sich auf seine Beine gesetzt, ihn festgehalten habe. Weitermachte, auch als er „Stopp“ sagte.
Schräg gegenüber sitzt der Vater auf der Anklagebank. Ein bulliger Mann mit Brille. Als er sein Kind missbraucht haben soll, im März 2019,…
