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Culture & Literature
GEO EPOCHE

GEO EPOCHE

103/2020

GEO EPOCHE ist das Geschichtsmagazin von GEO. Jede Ausgabe ist einem historischen Thema gewidmet - Epochen wie dem Mittelalter, Staaten wie Preußen, Weltreligionen wie dem Judentum. Geschichte schillernd und packend ohne Staub, Fußnoten und Zahlenkolonnen. Erzählt werden Geschichten über bedeutende Personen und dramatische Ereignisse, über Alltag und Kultur, Politik, Gesellschaft und Wissenschaft. In genauen historischen Rekonstruktionen sowie opulenten Bildessays und Experteninterviews, mit Karten und Infokästen wird die jeweilige Epoche zum Leben erweckt und vor allem deren Alltag sinnlich nacherzählt. „Wir nehmen die Leser mit auf eine Zeitreise“, so lautet das Credo von Chefredakteur Michael Schaper.

Country:
Germany
Language:
German
Publisher:
DPV Deutscher Pressevertrieb
Frequency:
Bimonthly
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in this issue

1 min.
editorial

Liebe Leserin, lieber Leser Ohne Zweifel, die vergangenen Monate werden viel Raum in der modernen Geschichtsschreibung einnehmen: Ein Virus verbreitet sich mit enormer Geschwindigkeit über alle Kontinente und unterzieht die Welt einem gigantischen Stresstest. Gut möglich, dass wir Covid-19 einmal eine eigene Ausgabe von GEOEPOCHE widmen. Doch das ist die Zukunft. Momentan beschäftigen uns noch die Herausforderungen der Gegenwart. Denn Corona bestimmt seit fast einem Vierteljahr unseren Redaktionsalltag und hat in dieser Zeit unsere Arbeits- und Produktionsabläufe massiv beeinflusst. Die Ausgabe zum Thema Karibik, die wir in der Vorschau des vergangenen Heftes angekündigt haben, konnten wir daher noch nicht fertigstellen. Sie halten stattdessen ein Heft über Albrecht Dürer und seine Zeit in den Händen, das wir in den vergangenen Wochen im Homeoffice und in ungezählten Videokonferenzen produziert haben. Es handelt sich dabei…

9 min.
bilder für den glauben

Um 1400 folgen die meisten deutschen Maler dem »Schönen Stil«, der in ganz Europa dominiert: Sie schaffen idealisierte Heilige mit anmutigen, schablonenhaften Körpern und immer ähnlichen Gesichtern. Doch als Wissenschaft und Philosophie im 15. Jahrhundert das christliche Weltbild umwälzen, entdecken sie die Kraft des Wahrhaftigen – und begründen so eine spezifisch deutsche Kunst DIE BÜHNE, DIE CONRAD VON SOEST dem Heiland bereitet, ist monumental: ein Flügelaltar, mehr als sechs Meter breit und fast zwei Meter hoch, in dessen Zentrum der Gottessohn am Kreuz hängt, alle anderen Figuren der Szene überragend, leichenblass und feingliedrig. Wie nach einer Schablone gefertigt wirkt sein Torso, seltsam verlängert sind die dünnen Arme und Beine, unproportional klein ist der Kopf. Umso stärker fällt der goldene Heiligenschein auf, der das Haupt umgibt. Auch der Himmel ist in…

2 min.
der meister aus franken

20 min.
das vielseitige genie

Ein Brief aus Venedig! Post von Dürer! Was er schreibt? Offenbar kosten ihn die gewünschten Einkäufe viel Zeit. „Die Glassachen“ – vielleicht meint er Perlen und Smaragde – hat er einem Boten mitgegeben, die zwei Orientteppiche muss er erst besorgen. Auch schöne Kranichfedern konnte er noch nirgends finden. Er rät dem Brieffreund, er solle sich in der Zwischenzeit vielleicht einfach Schwanenfedern zum Schreiben an den Hut stecken. Und schließlich war die Suche nach passenden Ringen schwieriger als erwartet. „Gefallen sie Euch nicht, so brecht ihnen den Kopf ab und werft sie ins Scheiß-haus“, schreibt er. Ach Dürer! Selbstbewusster, treuer, lustiger Dürer! Als hätte sich jemand zur unbeschwerten Einkaufsfahrt nach Italien begeben, so lesen sich die zehn Briefe mitunter, die der Nürnberger Willibald Pirckheimer 1506 von seinem Freund Albrecht erhält. Zeilen, die von…

13 min.
zeiten des wandels

Das 14. Jahrhundert war für Deutschland – wie für ganz Europa – eine Katastrophenzeit, mit Hungersnöten, nicht enden wollenden Kriegen sowie dem Ausbruch der Pest, der ein Drittel aller Bewohner des Kontinents zum Opfer fiel. Auch geistig geriet das Abendland in eine tiefe Krise, als sich 1378 die katholische Kirche spaltete: Das völlig zerstrittene Kardinalskollegium wählte zwei miteinander konkurrierende Päpste, und 1409 wurde gar ein dritter Heiliger Vater gekürt. Das 15. Jahrhundert hingegen wird eine Ära des Umbruchs am Übergang zur Moderne sein: die Epoche des Humanismus, in der der Buchdruck mit beweglichen Lettern erfunden wird, der Renaissance und der europäischen Entdeckungen in Übersee. 1414 Auf Drängen des römisch-deutschen Königs Siegmund beruft Johannes XXIII., einer von drei amtierenden Päpsten, eine Kirchenversammlung nach Konstanz ein, um die Spaltung der Kirche zu beenden. Das Konzil,…

26 min.
aufs tand der fü rsten

Nichts scheint mehr gewiss in diesen Dekaden. Ende des 15. Jahrhunderts treiben gewaltige Umwälzungen Europa in eine neue Zeit. Vorbei ist die Ära der Kreuzzüge, in denen Ritter im Namen Gottes ihre Schwerter gegen Andersgläubige zogen, verblasst der Nimbus der römisch-deutschen Könige und Kaiser als weltliche Schutzherren der Kirche und all ihrer Gläubigen. 1453 ist Konstantinopel, die Hauptstadt des byzantinischen Reiches, in die Hände des osmanischen Sultans gefallen; seither bedrohen türkische Krieger das Abendland. Von Italien und den Niederlanden aus verbreiten Kaufleute und Bankiers eine revolutionäre Form des Wirtschaftens, bei der es einzig darum geht, durch geschickten Einsatz von Kapital möglichst hohe Profite zu erzielen. Immer dichter knüpfen sie ihre grenzüberschreitenden Handelsnetze. Seefahrer, die im Auftrag ihrer Herrscher nach gewinnträchtigen Routen für den Warenimport aus Fernost suchen, eröffnen den Europäern neue, unvorstellbar…