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Culture & Literature
GEO EPOCHE

GEO EPOCHE

101/2020

GEO EPOCHE ist das Geschichtsmagazin von GEO. Jede Ausgabe ist einem historischen Thema gewidmet - Epochen wie dem Mittelalter, Staaten wie Preußen, Weltreligionen wie dem Judentum. Geschichte schillernd und packend ohne Staub, Fußnoten und Zahlenkolonnen. Erzählt werden Geschichten über bedeutende Personen und dramatische Ereignisse, über Alltag und Kultur, Politik, Gesellschaft und Wissenschaft. In genauen historischen Rekonstruktionen sowie opulenten Bildessays und Experteninterviews, mit Karten und Infokästen wird die jeweilige Epoche zum Leben erweckt und vor allem deren Alltag sinnlich nacherzählt. „Wir nehmen die Leser mit auf eine Zeitreise“, so lautet das Credo von Chefredakteur Michael Schaper.

Country:
Germany
Language:
German
Publisher:
DPV Deutscher Pressevertrieb
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In this issue

2 min.
editorial

Liebe Leserin, lieber Leser Es ist eine unglaubliche Erfolgsgeschichte, die sich ab dem Ende des 16. Jahrhunderts in den Niederlanden abspielt. In einem historischen Zeitfenster von rund 100 Jahren blüht dieser tief liegende, von Wind und Wasser geprägte Zipfel Europas auf zu einer wirtschaftlichen, militärischen und kulturellen Weltmacht. Die Republik der Vereinigten Niederlande verfügt in dieser Zeit über den größten Hafen und die größte Flotte des Planeten. Während die Universität in Leiden zu einem glanzvollen Zentrum für Gelehrte wird, wächst die enge, noch mittelalterlich verwinkelte Stadt Amsterdam zur bedeutendsten Handelsmetropole des Kontinents heran, deren Einwohnerzahl sich in diesem Boom binnen weniger Jahrzehnte vervierfacht. Hier gründen Kaufleute die erste Aktiengesellschaft der Erde: Die „Vereenigde Oostindische Compagnie“ erwirtschaftet gigantische Gewinne im Gewürzhandel – und im fernen japanischen Kaiserreich sind die Niederländer lange Zeit die…

3 min.
die unwahr scheinliche gross macht

Republik der KAUFLEUTE Die Städte in den sieben Provinzen der Niederlande werden von einem elitären Klüngel reicher Bürger beherrscht. Geschäftsleute besetzen Schlüsselpositionen in Regierung und Verwaltung – und treiben durch ihre Interessenpolitik den Aufstieg der Republik zur führenden Handelsmacht der Zeit voran Eine WEHRHAFTE Gemeinschaft In einem jahrzehntelangen Kampf gegen die spanische Fremdherrschaft erstreiten die Vereinigten Niederlande bis 1648 ihre Unabhängigkeit. Doch einen dauerhaften Frieden erreicht die Republik nicht: Wieder und wieder reizen ihr Wohlstand und ihre Handelsstärke Rivalen zum Angriff Zwischen GLAUBENSSTRENGE und TOLERANZ Am Kampf zwischen Katholiken und Reformierten entzündete sich einst der Freiheitskrieg gegen Spanien. In der niederländischen Republik ist nun der sinnenfeindliche protestantische Calvinismus der offizielle Glaube – doch tatsächlich herrscht eine religiöse Vielfalt, die ein Klima der Offenheit erzeugt Eine HEIMAT für VIELE Im Westen der Republik, wo das Wasser tief ins…

3 min.
der lange weg zur freiheit

Im Mittelalter umfassen die Niederlande den gesamten heutigen Benelux-Raum. Wasser prägt die Landstriche im Norden: Flüsse und Meeresarme zerschneiden dort tief liegendes Marschland mit großen Binnenseen. Generationen von Bewohnern des Gebiets schichten Deiche auf, errichten Sperrwerke und Windmühlen, um die von der Nordsee ins Land gedrückten Wassermassen zu bändigen, Platz zu schaffen für Felder und Vieh. Die meisten Menschen hier aber leben von Fischfang, Handel und Frachtverkehr. Bereits im 13. Jahrhundert gibt es in den Niederlanden zahlreiche große Städte, vor allem im von Geestlandschaften geprägten Süden: Dort blühen reiche Handelsmetropolen wie Gent und Brügge mit mehreren Zehntausend Einwohnern, floriert das Tuchgewerbe, dessen Erzeugnisse unter anderem über die nördlichen Landesteile bis ins Baltikum exportiert werden. Nie herrscht ein Fürst über die gesamte Region: Die Niederlande sind in mehr als ein Dutzend Territorien zergliedert,…

26 min.
rebellion gegen das imperium

Gut 13 Jahre lang haben die Rebellen gegen die Weltmacht gekämpft. Sie haben von See aus Küstenorte angegriffen, Deiche durchstochen, Schleusen geöffnet und das Land geflutet, um die Truppen des spanischen Königs Philipp II. aufzuhalten. Haben im Winter auf Schlittschuhen gegen dessen Soldaten gefochten. Und erlebt, wie die Schergen des katholischen Monarchen, zu dessen Besitzungen die Niederlande gehören, Stadt um Stadt eroberten, unzählige Menschen gnadenlos niedermetzelten und Zehntausende in die Flucht trieben. Die Niederländer sind sich dabei selbst zu Feinden geworden. Katholiken gegen Calvinisten, Rebellen gegen Royalisten – der Aufstand hat die Region auch innerlich zerrissen. 1579 ist sie zerfallen in einen Bund protestantischer Provinzen, die die Spanier vertreiben wollen, und eine Union königstreuer Landesteile. Der Höhepunkt des niederländischen Freiheitskampfes aber ist – ein nüchterner Verwaltungsakt. Am 26. Juli 1581, einem Mittwoch,…

24 min.
kapitale der spekul anten

Hier regieren die Zahlen: Auf engstem Raum, auf einer Fläche von gerade 250 mal 500 Metern um den alten Innenhafen, schwirren sie in nie gekanntem Tempo, bewegen sich von Haus zu Haus, kreuzen, addieren, multiplizieren sich ohne Unterlass. Sie kommen über Kais und Schiffsdecks, spicken die Gespräche in den Rhetorik-Klubs, in den Tavernen an der Kalverstraat, im Gasthaus „Plaetse Royal“ oder in Maarten Spils Weinladen. In den Büros der Notare summieren sie sich auf Zins und Zinseszins, und sie füllen die Heftzeilen in den vielen „Französischschulen“, die nicht nur die Lingua franca des Handels lehren, sondern auch kaufmännische Techniken wie Algebra, Arithmetik und Buchführung. In den Packhäusern verwandeln sich Weizen und Waltran, Zucker und Gewürze, Schießpulver, Gewehre und Kanonen umgehend in Zahlen. In Werte, mit denen man auf die Zukunft spekuliert –…

3 min.
völkerrechts

Am 29. August 1618 ist Hugo Grotius auf dem Weg zu einer Sitzung im Regierungsgebäude von Den Haag, als ihn Soldaten verhaften. Der renommierte Anwalt und Politiker ist in einen erbitterten Streit um Glauben und Macht geraten – und steht auf der Verliererseite. Einige Monate später verurteilt ein Sondergericht ihn unter fadenscheiniger Begründung zu lebenslänglichem Gefängnis und Entzug des Vermögens. Doch dies ist nicht das Ende seiner Karriere. Grotius wird dem Kerker auf abenteuerliche Weise entkommen und zu einem der bedeutendsten Juristen Europas aufsteigen: zum Mitbegründer des modernen Völkerrechts. Grotius ist ein Wunderknabe, veröffentlicht mit zwölf Jahren lateinische Gedichte, macht mit 15 seinen Doktor in Jura. 1599 lässt der Sohn einer Delfter Patrizierfamilie sich als Advokat in Den Haag nieder. Bald ist das Ansehen des jungen Juristen so groß, dass die…