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GEOkompaktGEOkompakt

GEOkompakt

60/2019

"GEO KOMPAKT stellt ein großes Thema der Allgemeinbildung umfassend und verständlich dar - begleitet von exzellenten Fotos und aufwändigen Illustrationen. GEO KOMPAKT bereitet etabliertes Wissen und neueste wissenschaftliche Erkenntnisse so auf, dass der Spaß beim Lesen nicht verloren geht. Statt trockener Fakten werden erstaunliche Zusammenhänge geschildert und ungewöhnliche Geschichten erzählt. Erfahrene Journalisten und die Mehrfachprüfung aller Fakten garantieren die Verständlichkeit und hohe Verlässlichkeit der Inhalte."

:
Germany
言語:
German
出版社:
DPV Deutscher Pressevertrieb
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この号

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liebe leserin, lieber leser

Ohne das Wissen um das EIGENE ENDE hätte sich Homo sapiens nie ein Paradies ausgemalt Das Bewusstsein um die eigene Sterblichkeit unterscheidet uns von allen anderen Lebewesen auf diesem Planeten. Nur wir Menschen wissen um unsere Endlichkeit – und diese Erkenntnis hat unsere Kultur, unser Weltbild, unsere Geschichte tief geprägt. Denn ohne das Wissen um das eigene, unausweichliche Ende hätte der Homo sapiens wahrscheinlich nie Jenseitsvorstellungen entwickelt, sich Gedanken über ein Leben nach dem Tod gemacht, sich ein Paradies (oder die Hölle) ausgemalt oder über eine mögliche Wiedergeburt nachgedacht. Kurz: Ohne den Tod wären vermutlich nie die Religionen entstanden, wie wir sie heute kennen. Gäbe es keine Trauerfeiern, keine Friedhöfe, keine Gedenkstätten. In diesem Heft beschreiben wir in insgesamt 17 Beiträgen, welchen Umgang Menschen im Laufe ihrer Geschichte mit dieser größten aller nur denkbaren…

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auf der suche nach trost

Vom Wert der Zeit »Trauer lässt sich nicht beschleunigen – egal, wie schnell man Dinge erledigt.« David Roth, Jg. 1978, Bergisch Gladbach Als sein Vater stirbt, spürt der Bestatter David Roth ganz persönlich, was Trauernde am nötigsten haben – und entscheidet sich für einen mußevollen Abschied IMMERZU ERMUNTERN wir als Bestatter die Menschen, die bei uns Rat und Begleitung suchen, sich die Toten nicht stehlen zu lassen – sich Zeit für den Abschied zu nehmen, auch wenn Gesetz und große Teile der Gesellschaft es noch immer für den richtigen Weg halten, Verstorbene möglichst schnell zu beerdigen. Trauer lässt sich nicht beschleunigen, nur weil man Dinge schnell erledigt, das ist meine Erfahrung und feste Überzeugung. Doch als mein Vater starb, hätte ich das fast vergessen. Es war kurz vor Weihnachten. Und plötzlich ertappte ich mich selbst…

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von der vergänglichkeit des seins

Ich bin mir ziemlich sicher, dass der Tod für uns Heutige eine größere Zumutung darstellt als für unsere Vorfahren. Unter anderem deshalb, weil wir es gewohnt sind, unser Leben steuern zu können. Zumindest glauben wir, dass wir es könnten. Wir nennen uns gern „selbstbestimmt“, „frei“ oder „autonom“. Das Leben unserer Vorfahren dagegen war schon bei der Geburt vorherbestimmt durch Faktoren, an denen sie nicht viel ändern konnten, die Fesseln der sozialen Herkunft, des Geschlechts, der Hautfarbe konnte man nicht so leicht abschütteln. Heute geht das schon eher. Aber der Tod ist der Tod geblieben. Der Tod ist unheimlich, weil wir keinerlei Möglichkeit besitzen, Einfluss auf ihn zu nehmen. Das ist der moderne Mensch nicht gewohnt, dieses Gefühl der Machtlosigkeit. Wir können uns „neu erfinden“, wir können unser Leben umkrempeln, aber am Ende läuft…

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der übergang

Es ist eine Gewissheit, die wir gern verdrängen und die doch so unerschütterlich wie keine andere ist: Irgendwann endet unser Leben. Und zumindest unsere leibliche Hülle, soviel ist sicher, verschwindet letztlich. Was aber geschieht mit einem Menschen an der Schwelle des Todes? Wie muss man sich das Sterben im Detail vorstellen? Wann sind wir im medizinischen Sinn wirklich tot? Und was spielt sich danach im Körper ab? Wohl jeder, der schon einmal einen ihm nahestehenden Menschen verloren hat und dessen Leichnam kurz nach dem Ableben anblickte, war von dem Unterschied zwischen Leben und Tod eigenartig berührt: Der Verstorbene hatte eine plötzliche Wandlung erfahren, die selbst nichtreligiösen Menschen wie das Entweichen einer Art „göttlichen“ Funkens erscheinen mag. Denn selbst wenn ein Körper kurz vor dem Ende eines langen Lebens krank und gebrechlich wirkt, so…

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»weshalb empfinden wir überhaupt so etwas wie trauer? « »ohne sie könnten menschen keine bindungen eingehen«

GEOkompakt: Herr Professor Znoj, wie lange trauern Menschen Ihrer Erfahrung nach heutzutage um einen Angehörigen? Prof. Hans Jörg Znoj: Das kommt natürlich auf die individuelle Beziehung zum Verstorbenen an. Die Trauer um einen geliebten Angehörigen dauert in der Regel mehrere Jahre. Von der Gesellschaft werden den Menschen dagegen nur drei bis sechs Monate zugestanden. Das ist recht kurz. Meine Elterngeneration trug noch ein Jahr Trauer. Beim Mann war diese Trauer damals durch einen schwarzen Knopf am Revers symbolisiert, bei einer Frau durch ein schwarzes Überjäckchen oder Ähnliches. Die Menschen haben es aber auch akzeptiert, dass jemand seine Trauer ein Leben lang mit sich herumträgt. Sigmund Freud hat gesagt: Trauerzustände sind keine Krankheit, von der man genesen kann. Heute ist man ungeduldiger: Psychotherapeuten diagnostizieren bei manchen Betroffenen mitunter schon nach zwei Monaten eine…

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abschied von meinem vater

Andreas Wenderoth: Was ist das Wichtigste im Leben? Horst Wenderoth: Gesundheit – ohne hängen alle Glocken schief. Deine Meinung zum Alter? Furcht. Und wie ist es heute? Mit Gott und der Welt zerfallen. Als würde ich am Rande stehen. Die Ärztin hatte pro forma gefragt, denn die Antwort lag auf der Hand: keine lebensverlängernden Maßnahmen, keine Herztransplantation, das bitte nicht. Nicht bei einem 92-Jährigen, der durch die Demenz seine Selbstbestimmung schon vor Jahren verloren hatte. Wir hätten ihm diese Zeit gern erspart. Weil sie ihn in eine Abhängigkeit zwang, deren Würdelosigkeit er noch viel zu lange verstand. Ein langer stufenweiser Abschied, der ihm die Möglichkeit nahm, geordnet aus dem Leben zu treten, aber mir die Zeit gab, mich auf seinen Tod vorzubereiten. Immer mehr war von ihm verloren gegangen, bis nur noch ein schwerer Körper blieb, der…

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