Liebe Leserin, lieber Leser, die beiden staatlichen Aufpasser, die mich vor einigen Jahren auf einer Reise durch Nordkorea begleiteten, pflegten ausgeprägte Leidenschaften: Sie rauchten Kette, tranken Schnaps und Bier morgens, mittags und abends, sie sangen bis tief in die Nacht Karaoke.
Auf langen Busfahrten holten sie einen Computer aus heimischer Produktion hervor und schauten Videos an, die ihre Kinder beim Klavierspiel zeigten oder wie sie von Klettergerüsten fielen. Nordkoreas lustigste Heimvideos.
Die Bewacher lachten gern und viel, und einer von ihnen sagte in tadellosem Deutsch: „Wir Nordkoreaner sind wie Italiener: Hauptsache, das Leben genießen.“ Es verwirrte mich zutiefst. Vieles im Land passte nicht zu meinen Erwartungen: nicht die westlichen Luxusautos auf den Straßen, nicht die Vergnügungsparks und nicht die Feiernden in den Grünanlagen, die uns zum Picknick einluden.
Damals war kaum…
