Liebe Leserin, lieber Leser,
die Bibel verwirrt seit Jahrtausenden, Gläubige wie Nichtgläubige. Weil sie verwirrend ist. Die zahlreichen Widersprüche haben ihre Gegner oft triumphierend ausgebreitet – als wäre damit das letzte Wort gesprochen.
Carel van Schaik und Kai Michel, die Autoren unserer Titelgeschichte ab Seite 36, haben sich hingegen gerade von den Ungereimtheiten zu ihrer These animieren lassen. Die Bibel, so ihr Gedanke, versucht den bis heute größten Schmerz der Menschheit zu verarbeiten, die Vertreibung aus dem Paradies: aus unserer Existenz als Jäger und Sammler. Sesshaft zu leben hat den Menschen Eigentum gebracht und damit Streit; Staaten und damit Unterdrückung; Patriarchat und damit Abwertung von Frauen; härteste Arbeit und damit Fron; Städte und damit Epidemien.
Erst im Laufe der Bibel-Niederschrift entwickelten die Menschen Ideen, die neue Welt erträglicher zu machen,…
