Wann genau der Zug ankommt, weiß in Schefferville oft keiner. Zwölf Stunden würde er brauchen, führe er die rund 580 Kilometer von Sept-Îles, einer Stadt im Osten Quebecs, ohne längere Unterbrechung in Richtung Norden. Doch meistens hält die Regionalbahn immer wieder an, um auf freier Strecke Passagiere abzusetzen oder mitzunehmen.
Bahnhöfe gibt es dort nicht. Wer mitfahren will, winkt dem Lokführer; lange Verspätungen sind normal. Zweimal in der Woche fährt der Zug, selbst im Winter, wenn eingefrorene Weichen den Bahnbetrieb erschweren: Schefferville, die Endstation, liegt in der subpolaren Zone. Das Retortenstädtchen wurde in den 1950er Jahren gegründet, als man in der Nähe Eisenerz entdeckte. Schnell bauten Minenbetreiber für etwa 5000 Menschen Häuser, eine Klinik, ein Kino und ein Schwimmbad. 30 Jahre später wurden die Minen geschlossen, die Arbeiter zogen fort.…
