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stern Crimestern Crime

stern Crime 22/2018

"Unter dem Motto ""Wahre Verbrechen. Wahre Geschichten."" berichtet STERN CRIME von realen Kriminalfällen und deren Aufklärung, beleuchtet aber auch das Schicksal der Opfer und die Motive des Täters. Das Heft liefert alle zwei Monate einfühlsame Texte und zurückhaltende, aber zugleich eindringliche Bebilderung der Geschichten. Die seriöse Berichterstattung umfasst Interviews mit Ermittlern, beleuchtet Tathintergründe und verschafft fesselnde Einblicke in die polizeiliche Aufklärungsarbeit. Mit seinen Reportagen über wahre Verbrechen spricht STERN CRIME Leser an, die den Nervenkitzel lieben und sich für den psychologisch-sozialen Kontext realer Kriminalfälle interessieren."

:
Germany
言語:
German
出版社:
DPV Deutscher Pressevertrieb
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この号

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je länger …

… ein Mordfall ungelöst bleibt, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit, dass der Täter doch noch gefasst wird. Zeugen sterben, Erinnerungen verwaschen, Beweismittel verschwinden oder werden vernichtet, das Interesse der Staatsanwälte erlischt. Manchmal aber passiert das Unglaubliche, und nach Jahrzehnten stellt jemand Fragen, die lange niemand zu stellen wagte, setzt Puzzleteile zusammen, die all die Zeit nicht zusammenzupassen schienen. Als unser Kollege Nicolas Büchse las, dass es einem Staatsanwalt in Texas gelungen war, einen Mörder 58 Jahre nach der Tat vor Gericht zu bringen, wurde er neugierig und las die Protokolle durch. Ihn beeindruckten die akribischen Ausführungen des Anklagevertreters Michael Garza zum Mord an der (mit ihm nicht verwandten) Lehrerin Irene Garza so sehr, dass er um ein Gespräch bat. Als er Garza in dessen Büro gegenübersaß, interessierte ihn vor allem die…

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blutige amateure

Der Haupttäter kippt dem Mädchen etwas ins Glas, fällt im Gebüsch über sie her und überlässt das wehrlose Opfer den ungeduldig wartenden Komplizen. Auf mich hat die Vorstellung von der Gruppenvergewaltigung in Freiburg dieselbe Wirkung wie mein Daumen auf den Home-Button meines iPhones. Der Fall ist ein Einschaltknopf für meine Wut, perfekt angepasst an die Konturen meiner niedersten Instinkte. Ein Auslöser für einen Reflex, den ich nur mit Mühe unterdrücken kann: Selbstjustiz. Ich verspüre den Drang, die Bestrafung ganz persönlich in die eigenen Fäuste zu nehmen. Ins Detail will ich lieber nicht gehen. Gewalt, möglichst schmerzhaft und unmittelbar, ist die ursprünglichste Art der Bestrafung. Es ist eine archaische Reaktion, ein Impuls, tief verwurzelt in der 300 000-jährigen Geschichte des Homo sapiens. Wer die Regeln des Zusammenlebens missachtet, muss konsequent sanktioniert werden.…

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die nacht ohne gnade

Als Noemi und Lucio sich ineinander verlieben, ist sie 15 und er 16. Noemi lebt in Specchia, Lucio ein Dorf weiter, unten am Hügel, Richtung Meer, in Montesardo. Sie lernen sich kennen unter den Palmen und den Pinien, an dem kleinen Park, wo die Jungs mit ihren Rollern am Sportplatz stehen und die Mädchen von den Bänken neben der Heiligenstatue zu ihnen herüberschauen. Ciao Lucio! Ciao Noemi! Sie schreiben sich Nachrichten. Sie starren auf ihre Smartphones. Sie müssen sich sehen. Nachts, wenn seine Eltern schlafen, schiebt Lucio den alten Fiat 500 die Garageneinfahrt hinaus. Meter um Meter bis zur nächsten Kreuzung. Niemand darf etwas hören. Dann lässt er den Motor an und macht sich auf den Weg zu ihr. Sie fahren im Mondschein an Olivenhainen, an Dörfern und Kirchen vorbei, meist nach Santa Maria…

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wie aus stein

Die Obstwiese im Remstal bei Stuttgart blüht üppig und bunt, aber dafür hat Deniz E. jetzt keine Augen, weil in ihm nur Adrenalin ist und Hass auf diesen verdammten Schönling, der sich röchelnd vor ihm im Gras krümmt. Sein Kumpel Roman hat es dem Kerl schon mit dem Baseballschläger besorgt. Dann springt ihm Deniz mit den Schuhsohlen voraus ins Gesicht, zwischen die Beine auch. Wenige Meter weiter steht Deniz’ Prinzessin und schaut wortlos zu. Er geht immer wieder zu ihr, nimmt sie in den Arm, küsst sie. Er sagt: Jetzt siehst du, wie sehr ich dich liebe. Sechs Tage später öffnet die Feuerwehr die Tür einer Kellerwohnung im Stuttgarter Osten. Nachbarn haben sich über den Verwesungsgestank beschwert, der Hausmeister hat schon 30 Meter vor der Tür abgedreht und die Polizei gerufen, ihm…

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das vierte gebot

Es beginnt immer mit einem Anruf. Mit einem Ort, einer Adresse, vielleicht wird auch ein Name durchgegeben. Oft ist es einer, der einem nichts sagt. Kriminaloberkommissar Georg Obach ist an diesem 15. Juni 1997 noch müde vom Vorabend, er war auf einer Hochzeit, in einem Gasthof ein paar Straßen weiter. Im Morgengrauen taumelten die Gäste nach Hause, und nun scheint das ganze Dorf vor sich hinzudösen. Auch Obach. Es ist später Abend, er schaut fern, er hat Bereitschaftsdienst. Kripo, sonntags in Nordhessen, selten was los. Da klingelt sein Telefon. „Georg, es ist was passiert, du musst hin“, sagt der Kollege. Obachs Beine schmerzen noch vom Tanzen. Was ist denn passiert? „Tötungsdelikt. Bei Harlach.“ Obach kennt diesen Namen. Die Harlachs* aus Morschen. In Morschen, Schwalm-Eder-Kreis, 3000 Einwohner, eine Kirche, eine Bücherei und eine Sparkasse, kennt jeder jeden. Der…

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lost boys

CHRIS STEYNS NERVOSITÄT WIRKT DEPLATZIERT in der entspannten Atmosphäre am Hafenrand, zwischen all den Restaurants, den Läden und den Whale-Watching-Agenturen. Hunderte Tiere kommen jedes Jahr hierhergeschwommen, lassen sich vor der Küste friedlich in den Wellen treiben, nähren ihre Kälber. Die Urlauber lieben den Anblick. Wale sorgen gut für ihre Kinder. Steyn sitzt im „Book Collector“, ihrem Buchladen an der Hauptstraße des südafrikanischen Touristenstädtchens Hermanus. Die Regale sind vollgestopft mit Reisebänden, von den Wänden blicken streng Mao und Lenin, „meine kleine Provokation“, sagt sie, ihr Angriff auf das konservative Establishment, das hier in der Gegend den Ton angibt. Auf einem Tisch liegen einige Exemplare von Steyns eigenem Buch, „The Lost Boys of Bird Island“. „31 Jahre hat es gedauert, bis es fertig wurde. Mein halbes Leben“, sagt sie. Auch dieses Buch ist eine Provokation.…

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