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문화 및 문학
GEO Epoche Panorama

GEO Epoche Panorama 18/2020

Nichts macht die Vergangenheit so lebendig wie eine Fotografie. Aus diesem Grund widmet sich GEO EPOCHE PANORAMA zweimal im Jahr mit opulenten und packenden Fotografien historischen Themen, die Geschichte schrieben. GEO EPOCHE PANORAMA ist eine Line-Extension von GEO EPOCHE, dem Geschichtsmagazin der GEO-Gruppe.

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국가:
Germany
언어:
German
출판사:
DPV Deutscher Pressevertrieb
빈도:
Biannually
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2 발행호

이번 호 내용

2
liebe leserin, lieber leser

Ein niederländischer Biberfellhändler kaufte im Jahr 1626 einem Indianerstamm an der amerikanischen Ostküste eine lang gezogene Insel ab: „Manna-hata“, so wurde das Eiland in der Sprache der Einheimischen genannt. Und aus heutiger Sicht war der Handel für die Europäer, gelinde gesagt, sehr vorteilhaft. Einige Werkzeuge und Waffen wechselten dafür wahrscheinlich die Besitzer, Gegenstände im Wert von ungefähr 600 Gramm Silber. In den folgenden 400 Jahren hat das Landstück zwischen Hudson, East River und Harlem River eine Karriere hingelegt, die weltweit ihresgleichen sucht. Heute stehen dort die Häuserschluchten Manhattans, flanieren Menschen im Central Park, mischen sich Kulturen wie wohl nirgendwo sonst. Längst hat die Metropole die Grenzen der Insel gesprengt – und ist zum Symbol schlechthin für eine pulsierende, inspirierende, niemals rastende, Gegensätze verschmelzende Urbanität geworden. New York. In dieser Ausgabe von GEOEPOCHE…

6
von der kolonie zur grossstadt

6
ein moloch erwacht

40
tage des sturms

Montag, 12. März 1888, 2.30 Uhr. Arbeitsbeginn für William Brubaker. Der Milchmann aus Manhattan spannt das Pferd vor den Wagen. Er will durch die noch nachtdunklen Straßen bis zu einem Pier am Hudson fahren, von dort mit der Fähre übersetzen und in New Jersey frische Ware in die Kannen füllen. Gegen fünf Uhr morgens müsste er zurück sein und könnte beginnen, seinen Kunden die Milch vor die Tür zu stellen. Doch durch die endlos geraden Straßen von Manhattans geometrischem Verkehrsnetz rauscht ein eisiger Nordwind, als würden ihn riesige Turbinen pressen. Die Bürgersteige sind 25 Zentimeter tief unter Schnee verschwunden. Dort, wo der Sturm den Boden freigeblasen hat, überzieht eine gefährliche Eisschicht die Pflastersteine. Brubaker braucht Stunden für wenige Meilen. Seine Hände, Füße und Ohren werden vor Kälte taub. Nach fünf Stunden gibt…

7
im labor des fortschritts

30
sturz in den abgrund

Wall Street, Montag, 2. September 1929, 12.00 Uhr: Im großen Handelssaal der New Yorker Börse ist es vollkommen still. Kein hundertfaches Stimmengewirr hallt wie sonst vom Marmor der Wände wider, kein Aktienhändler eilt über das filzbedeckte Parkett, kein Telefon läutet. Erloschen sind die Leuchtbänder mit den Kursnotierungen. Alle Ticker stehen still. Die Broad Street, an der das monumentale Eingangsportal der Börse mit seinen sechs korinthischen Säulen liegt, ist menschenleer. Die Kundenräume der Börsenmakler im gesamten Finanzdistrikt sind verwaist, auch die Schalter der Banken und Investmenthäuser. Halb New York ist aus der Stadt geflohen. Es ist Labor Day, der Tag der Arbeit, an dem die Menschen jedes Jahr das Ende des Sommers begehen. Eine kurze Atempause im Aktienfieber. Hunderttausende sind übers Wochenende ans Meer oder aufs Land gefahren, denn eine Hitzewelle liegt über der…