Ich lese sehr gerne. Ich bin allerdings ein schlechterer Mensch, wenn ich lese. Eine schlechtere Freundin, eine schlechtere Mutter, eine schlechtere Partnerin. Ich arbeite ineffektiver, beantworte weniger E-Mails, bezahle seltener Rechnungen, grüße knapper, verzichte auf Höflichkeiten, bin unkonzentrierter, abgelenkter und wimmle Menschen (ja, auch meine Kinder) schneller und unwirscher ab, damit ich endlich wieder Zeit habe und weiterlesen kann. Man kann also ohne Übertreibung behaupten, dass Lesen in meinem Leben sehr wichtig ist. Was ich mich aber schon lange frage: Wann wird Lesen endlich als ernsthafte und ernst zu nehmende Aktivität anerkannt? Als lebenswichtige, in manchen Momenten gar überlebenswichtige Leidenschaft?
Mein Freund zum Beispiel ist Tennisjournalist, Tennisspieler, Tennistrainer, Tennisbuchautor und Tennisfan. Man kann also ohne Übertreibung behaupten, dass Tennis in seinem Leben sehr wichtig ist. Vor anderthalb Jahren verbrachten wir…
