Es geschah in den viel besungenen 1990er-Jahren in Berlin. Ich war zu einem Dinner mit den coolsten Socken der Clubszene geladen, wir spielten zu vorgerückter Stunde eines dieser Spiele, bei denen, wer verliert, etwas Peinliches tun muss, in diesem Fall: singen. Ich war dran, die Erwartungshaltung groß, mir wollte partout nichts einfallen, dann kam plötzlich von irgendwo tief in mir dieses Lied: „Wo Kampenwand und Zellerhorn in die Lüfte grüßen, und die Bächlein silberhell durch die Schluchten fließen. Chiemseewogen, grüner Strand, Tal der Prien und Kampenwand, Heimat, die ich liebe, Heimat, die ich liebe.“ Es heißt „Aschauer Lied“, ich habe es in der Grundschule des gleichnamigen Ortes gelernt, den ich – kaum volljährig – sehr überzeugt gen Großstadt verließ. Ich habe mich in Grund und Boden geschämt an jenem Abend…