Liebe Leserin, lieber Leser, die Ausgabe, die Sie in den Händen halten, widmet sich größeren Fragen, grundsätzlicheren Überlegungen. Das Jahresende bietet sich an für solche Reflexionen. Zudem leben wir in tastenden Zeiten, in denen wir neue Antworten auf alte Probleme suchen: auf das Verhältnis der Religionen, den Wert von Toleranz, ja den Wert des Lebens insgesamt.
Hanne Tügel hat für die Titelgeschichte „Brauchen wir Gott?“ erkundet, wie Menschen hierzulande ihren Glauben leben. Sie stieß dabei auf ein bemerkenswertes Phänomen: Die spirituellen Bedürfnisse von Atheisten und Gläubigen, von Kirchennahen und Konfessionsfernen gleichen sich an. Das widerspricht den Debatten der vergangenen Jahre, die einen zunehmend scharfen Gegensatz zwischen Frommen und Weltlichen nahelegen.
Statt Konflikt fand Tügel die Spur eines Paradoxons: Wir werden weniger kirchlich, aber nicht weniger spirituell, weniger religiös, aber nicht…
