Arte & Arquitectura
art Magazin

art Magazin 04/2020

ART ist Europas größtes Kunstmagazin und Marktführer im Segment der Kunstzeitschriften. Dabei vereint das Magazin die wichtigsten Highlights aus dem klassischen Kunstbereich mit jungen, zeitgenössischen Themen aus Fotografie, Design und Videokunst und führt kompetent durch das aktuelle Kunstangebot. ART inspiriert und versteht Kunst als wichtigen Anreger in unserer Gesellschaft. Die Grenzen der aktuellen Kunst zu Mode, Design, Musik und Architektur sind fließend.

País:
Germany
Língua:
German
Editora:
DPV Deutscher Pressevertrieb
Periodicidade:
Monthly
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editorial

Die Mischung stimmt! LIEBE LESERIN, LIEBER LESER, das Titelthema dieser Ausgabe ist das Porträt der Berliner Künstlerin Katharina Grosse, auf unserem Heft zur ART COLOGNE prangt Alicja Kwade, deutsche Künstlerin, geboren in Polen. In diesem Monat bringen wir Geschichten über die indische Künstlerin Sheela Gowda, die Großmeisterin der Abstraktion Bridget Riley und ein Porträt des Zeichners Aubrey Beardsley, der seine Homosexualität im viktorianischen England nicht ausleben konnte. Der einzige Protagonist, der halbwegs dem Klischee des mächtigen weißen Mannes entspricht, ist der französische Architekt Jean Nouvel. Ich nehme an, Sie finden diese Diversität genauso normal wie ich. Ich bin trotzdem etwas stolz darauf, weil sich diese Mischung ganz selbstverständlich so entwickelt und ergeben hat. Sie zeigt nämlich beides: Wie sich der Kunstbetrieb gerade im letzten Jahrzehnt schon gewandelt hat – und parallel…

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betreff: art

Wer mit Sheela Gowda in der indischen Metropole Bengaluru über den Markt geht, kommt nicht so schnell voran. Man hat den Eindruck, die Frau, die dort ihr Arbeitsmaterial und ihre Lebensmittel oder Stoffe kauft, ist bei den meisten Händlern aller-bestens bekannt. Dabei ist die Künstlerin, die jetzt eine große Ausstellung in München hat, extrem kritisch, prüft Waren sehr genau und weiß immer exakt, was sie will. Schön ist, dass sie es ausdrücklich sehr zu schätzen weiß, wie sorgsam die Waren auf so einem indischen Markt präsentiert werden: kunstvoll aufgetürmtes Obst, sorgsam verschlungene Seile, nach Farben sortierte Spülschwämme. Aus den Materialien und Waren des indischen Alltags macht Gowda Kunst, die von der eigenen Kultur erzählt, und von der indischen Geschichte aus weiblicher Perspektive. Für unsere Autorin Sandra Danicke waren die Tage in…

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radar

Hochstapler im Feinripp-Schlüpfer Wenn es ein Theaterstück gibt, das für exhibitionistische Künstler wie gemacht ist, dann ist es Ibsens Peer Gynt. Kein Wunder also, dass sich Performance-Berserker John Bock und Schauspiel-Bad-Boy Lars Eidinger an der Berliner SCHAUBÜHNE jetzt diesen norwegischen Klassiker vorgenommen haben. Den Titelhelden, einen hochstaplerischen Bauernsohn, der sich lustvoll durchs Leben lügt, spielt Eidinger hyperaktiv zappelnd als schrille Solonummer. Bock hat dazu Bühnenbild und verrückte Kostüme entworfen, Rieseneuter, Textildildos, kubistische Anzughosen, in die Eidinger als wandelbarer Gynt in weißer Feinrippunterhose schlüpft. 135 Minuten exzessiver Körpereinsatz im Dienste der Kunst. Nächste Vorstellung: 25. April. Ein Pullover für den Hochaltar In großen Kirchen ist es im Winter oft kalt und klamm, und man könnte sich mit etwas Fantasie tatsächlich fragen, ob der Altar nicht friert. Seit 2013 lässt der weltberühmte Wiener Stephansdom das…

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da will ich hin: ein gesamtkunstwerk des französischen jugendstils ist erstmals besuchern zugänglich. es ist ein fest, die frisch restaurierte villa majorelle in nancy zu besichtigen

Vielfarbige Ziegel in zarten Beige-und Brauntönen, lokaler Naturstein, ein Fundament aus Beton und honigfarbenes Holz – Nancy in Lothringen, ohnehin Zentrum des französischen Jugendstils, ist um eine Attraktion reicher. Nach langer Renovierung inklusive Rückbau einer zwischenzeitlich modernisierten Fassade sowie einer vollständigen Neumöblierung aus Beständen des MUSÉE DE L’ÉCOLE DE NANCY wird nun mit der VILLA MAJORELLE das historisch älteste Jugendstilhaus der Stadt erstmalig für Besucher geöffnet. 1898 beauftragte Louis Majorelle, ein vermögender Möbelfabrikant, Maler und Kunsttischler, ausgerechnet den erst 26-jährigen Henri Sauvage aus Paris damit, ihm und seiner Familie ein prachtvolles Wohnhaus zu bauen und ein Denkmal zu setzen. Sauvage hatte gerade sein Architekturstudium ohne Abschluss abgebrochen, doch Majorelle glaubte an ihn, der mehr an fließenden Formen und Ornamenten interessiert war als am damals herrschenden Architekturkanon der harmonischen Symmetrien. Sauvage setzte…

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kunst aus dem off: der klassische stickrahmen ist in der gegenwartskunst eindeutig unterrepräsentiert. victoria rose richards’ stickbilder englischer landschaften sind so überraschend schön und vielfältig, dass sich das bald ändern könnte

Bei Stickbildern denken die meisten von uns an einen gefälligen Zeitvertreib für betagte Damen. Als ernst zu nehmende Kunst betrachtet man sie eher nicht – bis man die Werke von Victoria Rose Richards sieht. Ihre eigenwilligen Kompositionen aus linear strukturierten, leuchtenden Flächen und gebauschten Knödeln entsprechen so gar nicht den üblichen Kreuzstich-Vorlagen für Singvögel und symmetrisch arrangierte Stiefmütterchen. Richards, die im Übrigen keineswegs betagt, sondern gerade einmal 21 Jahre alt ist, füllt ihre oft nur handgroßen runden Stickrahmen mit grünen, gelben, braunen und blauen Farbfeldern, die sich erst auf den zweiten Blick als Landschaftsansichten zu erkennen geben. Meist handelt es sich um Draufsichten, die aussehen, als habe eine Drohne, die über ländliche Landschaften flog, die Vorlagen geliefert. Doch Richards, die im englischen Plymouth auf dem Land lebt, verwendet keine Vorlagen;…

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kunst für eine bessere welt: in einer videoarbeit erzählen zeitzeugen davon, wie sie als kinder den zweiten weltkrieg in berlin erlebten – ein bewegendes plädoyer für den frieden

Heute gilt der Stadtbezirk Neukölln als buntes Trendviertel, in dem die trubelige Vielfältigkeit der Berliner Gegenwart manchmal als ein einziges großes Fest erscheint. Wie kostbar und fragil unser demokratisches Miteinander aber ist, daran erinnert die Videoinstallation Neuköllner Kriegskinder, die bis Anfang April im MUSEUM NEUKÖLLN gezeigt wird. Für die Interview-Collage holten die Medienkünstlerin Ina Rommee und der Fotograf Stefan Krauss acht Neuköllnerinnen und Neuköllner vor die Kamera, um sie von ihrer Kindheit während des Zweiten Weltkriegs erzählen zu lassen. Um routinierter Erinnerung auszuweichen, suchten sie ihre Interviewpartnerinnen nicht auf Zeitzeugenportalen, sondern in Berliner Seniorenheimen und Treffs, über Vereine und Stiftungen. Die Interviews wurden mit Gesprächen vorbereitet. Anschließend wurden die Videoprotokolle editiert und in einem Halbkreis von Monitoren so installiert, dass es wirkt, als hätte sich eine Runde von Älteren auf Augenhöhe…