art Magazin 01/2021

ART ist Europas größtes Kunstmagazin und Marktführer im Segment der Kunstzeitschriften. Dabei vereint das Magazin die wichtigsten Highlights aus dem klassischen Kunstbereich mit jungen, zeitgenössischen Themen aus Fotografie, Design und Videokunst und führt kompetent durch das aktuelle Kunstangebot. ART inspiriert und versteht Kunst als wichtigen Anreger in unserer Gesellschaft. Die Grenzen der aktuellen Kunst zu Mode, Design, Musik und Architektur sind fließend.

País:
Germany
Língua:
German
Editora:
DPV Deutscher Pressevertrieb
Periodicidade:
Monthly
7,92 €(IVA Incl.)
89,15 €(IVA Incl.)
12 Edições

nesta edição

2 minutos
aufrappeln, umdenken, trotzdem machen!

LIEBE LESERIN, LIEBER LESER, Sie sehen zwei Künstler bei der Arbeit, William Kentridge in Johannesburg, Wolfgang Tillmans in Berlin. Sie bereiten Ausstellungen vor, und sie wirken sehr still und in sich gekehrt dabei, fast wie die Briefleserin bei Vermeer. Dabei gelten beide als hellwache, sensible Zeitgenossen mit pochendem politischen Gewissen, die die Welt vorm Atelier genau beobachten und auch auf sie einwirken möchten. William Kentridges grandiose Retrospektive in den Hamburger DEICHTORHALLEN (Kritik auf Seite 120) schlummert jetzt im Corona-Lockdown dahin. Die Schau von Wolfgang Tillmans in der Berliner GALERIE BUCHHOLZ ist immerhin geöffnet, doch wer fährt schon umher, um sich Ausstellungen anzuschauen? Wir sind glücklich, in diesem Heft von beiden Künstlern exklusiv eine Reihe aktueller Arbeiten zeigen zu können, die auf ganz spezifische Weise die seltsame Situation spiegeln, in der sich…

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4 minutos
betreff: art

Was tun, wenn man zum Skype-Interview zu spät kommt? Wolfgang Tillmans, der mitten im Aufbau seiner Ausstellung steckte, entschuldigte sich per Mail und schickte unter dem Stichwort »while you wait« Vimeo-Links zu seinen neuesten Musikvideos Life Guarding und Growing, in denen der Fotokünstler zu elegischen Bildern von Wassertropfen, Meereswellen und Männern in Unterwäsche selbst singt. So verging die Wartezeit für ART-Redakteurinnen Ute Thon und Hannah Schuh vor ihren Bildschirmen im Nu. Als sich Tillmans 15 Minuten später dazuschaltete, hatten sie gleich Stoff für die ersten Fragen. Interview und Portfolio, das Tillmans exklusiv für ART gestaltet hat, finden Sie ab Seite 20. Das war knapp! Genau einen Tag, bevor der zweite Lockdown in England in Kraft trat, fand das Treffen von Camille Walala und Großbritannien-Korrespondent Hans Pietsch statt. Es sollte unbedingt draußen…

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2 minutos
bilder+themen des monats

Bling-Bling Wenn die Menschen nicht zur Kunst kommen können, weil die Museen geschlossen sind, kommt die Kunst eben zu den Menschen. Ein absolutes Highlight ist da zurzeit die besonders in der winterlichen Dämmerung magisch leuchtende Fassadengestaltung der TATE BRITAIN. Sie stammt von der englischen Künstlerin Chila Kumari Singh Burman, 63, die in Liverpool aufgewachsen ist und deren Familie aus dem Punjab stammt. Für Remembering a Brave New World mixt sie die ästhetischen Einflüsse ihrer Lebensgeschichte, von indischer Mythologie über trashige Fußgängerzonenbeleuchtung bis hin zur Deko des Eiscremewagens ihres Vaters. Wie all ihre Arbeiten ist auch diese fröhlich und kämpferisch. So verwandelte sie die sonst auf der TATE thronende Figur der Britannia – Symbol des britischen Imperialismus – in Kali, die hinduistische Göttin der Befreiung und Macht. Es leuchtet noch bis 31.…

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2 minutos
kunst aus dem off

Jedes Mal, wenn ich ein Foto habe machen lassen, hatte ich Unglück«, soll Elisabeth von Österreich-Ungarn (1837 bis 1898), besser bekannt als »Sisi«, gesagt haben. Im Alter von 33 Jahren beschloss sie daher, nicht mehr für die Kamera zu posieren. In der Öffentlichkeit verbarg sie sich hinter Schleiern, Schirmen oder Fächern. Dabei war die junge Kaiserin der Fotografie durchaus zugetan. Wie viele adlige Damen ihrer Zeit legte sie fotografische Sammelalben an; 18 Stück mit rund 2000 Porträtaufnahmen, von denen nur fünf Elisabeth selbst zeigen, nannte sie ihr Eigen. Lange befanden sich die privaten Bände im Besitz der kaiserlichen Familie. 1978 kamen sie auf den Kunstmarkt, wurden versteigert und gelangten 1994 als Teil der Sammlung des Fotografen Robert Lebeck ins Kölner MUSEUM LUDWIG, wo sie ein gut gehütetes Geheimnis blieben. Einzelne…

artde2101_article_014_01_01
2 minutos
kunst für eine bessere welt

Sie gehören zum Stadtbild, doch meistens bemerkt man sie nicht einmal: verlassene Einkaufswagen. Oft genug scheint das Gehirn die arglos irgendwo abgestellten Korbwagen einfach ins Off zu filtern. Sobald man aber anfängt, auf die leeren, umgekippten oder zweckentfremdeten Waren-Transportmittel zu achten, entdeckt man sie an allen möglichen Orten und Unorten: in Hinterhöfen, auf Verkehrsinseln, in Gebüschen. Die meisten bestehen aus silbernen Metallgittern, die Griffe zeigen in der Regel den Heimatsupermarkt an in Gelb, Blau, Rot oder Orange. Als der Fotograf Luca Ellena aus der Schweiz nach Berlin kam, fielen ihm die vielen verlassenen Einkaufswagen auf. Er sah sie vollgepackt mit Unrat in Ecken stehen, an Hausfassaden oder auch mal angeschlossen an Fahrradständern. Ellena beobachtete, wie sie sich geradezu verschämt in einen Busch oder eine Hecke drückten oder hilflos auf dem Rücken…

artde2101_article_016_01_01
2 minutos
aktuell überschätzt

Manche Kinder lieben es, anderen die Hosen herunterzuziehen. Der Bildhauer Peter Lenk ist aus diesem Alter zwar heraus, hat aber noch immer Lust am Bloßstellen. Wenn er politische oder gesellschaftliche Themen verhandelt, bildet er die Akteure gern nackt ab. Viele Politiker und Politikerinnen hat er schon ausgezogen, aber auch den Ex-»Bild«-Chefredakteur Kai Diekmann, den Lenk mit einem meterlangen Penis ausstattete. Das Relief am ehemaligen »taz«-Gebäude in Berlin sei »als Therapie für die sexuellen Obsessionen« der »Bild«-Zeitung gedacht, so Lenk. Auch in Stuttgart setzt Lenk jetzt wieder auf pubertäres Gekicher. S 21. Das Denkmal – Chronik einer grotesken Entgleisung heißt das monströse Standbild, das sich formal an Herrscher- und Reiterbildnissen orientiert. Rund 150 Figuren erzählen die Ereignisse rund um das Bahnhofsprojekt Stuttgart 21 und den Schwarzen Donnerstag. Demonstranten, Polizei, Baumschützer und Baumfäller…

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