art Magazin 02/2021

ART ist Europas größtes Kunstmagazin und Marktführer im Segment der Kunstzeitschriften. Dabei vereint das Magazin die wichtigsten Highlights aus dem klassischen Kunstbereich mit jungen, zeitgenössischen Themen aus Fotografie, Design und Videokunst und führt kompetent durch das aktuelle Kunstangebot. ART inspiriert und versteht Kunst als wichtigen Anreger in unserer Gesellschaft. Die Grenzen der aktuellen Kunst zu Mode, Design, Musik und Architektur sind fließend.

País:
Germany
Língua:
German
Editora:
DPV Deutscher Pressevertrieb
Periodicidade:
Monthly
7,92 €(IVA Incl.)
89,15 €(IVA Incl.)
12 Edições

nesta edição

2 minutos
ein gebautes denk-mobile – oder ein fähnchen im sturm

LIEBE LESERIN, LIEBER LESER, das Presseecho zur Eröffnung des Berliner Schlosses, Pardon, des HUMBOLDT-FORUMS, Pardon, des HUMBOLDT-FORUMS IM BERLINER SCHLOSS war verheerend. Kolja Reichert schrieb in der »Zeit« von einem »geschichtspolitischen Auffahrunfall« und meinte damit die verdruckst historisch-brachialmoderne Schlossrekonstruktion selbst. Andreas Kilb nannte in der »FAZ« das Monstergebilde im Herzen der Berliner Republik »unser Kolosseum« und nahm damit die blutigen intellektuellen Schaukämpfe vorweg, die von jetzt an hier ausgetragen werden. Keine Überraschung: Noch nie war eine Kulturinstitution vom Start weg so in der Defensive wie dieses seltsame Innen-wie-außen-Konglomerat aus Stadtmuseum, Wissenschaftsvermittlungsinstitut, Veranstaltungshalle und Völkerkundeschau. Vor allem hier, in den ethnologischen Gefilden oben im Haus, hat sich in den letzten Jahren der laue Gegenwind zum postkolonialen Sturm aufgefrischt, in dem sich kaum noch navigieren lässt. Überall lauern »Anspruchsgemeinschaften« und »Unrechtskontexte«, schwelen Rückgabedebatten…

artde2102_article_003_01_02
3 minutos
betreff: art

Wie nah ihr der Designer Enzo Mari wirklich ist, fiel Italien-Korrespondentin Ute Diehl erst beim Schreiben des Porträts über ihn auf (ab Seite 56). Der legendäre italienische Gestalter und Denker, der letztes Jahr an Corona starb, wird in Designkreisen verehrt, seine Entwürfe sind unter Sammlern heiß begehrt. Plötzlich erinnerte sich unsere Autorin, dass es auch in ihrem Haus etwas von ihm geben müsste. Tatsächlich fand sie direkt vor ihrer Nase, versteckt unter Papierbergen, die Schreibtischablage Ventotene aus poliertem Stahl, ein Klassiker von1962. Sie holte das schöne Stück ans Licht – und stellte fest, wie tröstlich so ein greifbares Objekt, das Briefe und Stifte hält, gerade in digitalen Zeiten sein kann. Warschau hatte sich ART-Korrespondentin Sandra Danicke eher grau vorgestellt. Als sie für ihre Reportage (ab Seite 82) die Neonreklamen in der…

artde2102_article_006_01_01
2 minutos
bilder+themen des monats

Die mit Schlangen kämpfen müssen Zwei Figuren in bunten Häkelkleidern und mit fransigem Kopfschmuck ringen mit einer Riesenschlange aus Autoreifen, Stacheldraht und Ölfässern. Die raumgreifende Installation This is Not A Snake, The One Who Checks, The One Who Balances von Cannupa Hanska Luger und Kathy Elkwoman Whitman ist Teil von »Larger Than Memory: Contemporary Art From Indigenous North America« – einer der größten Ausstellungen zeitgenössischer indigener Kunst aus Nordamerika, die gerade das HEARD MUSEUM in Phoenix, Arizona, gezeigt hat. Whitman und Luger, Mutter und Sohn, sind zwei von über 20 Künstlerinnen und Künstlern, die in der Schau vertreten sind. Die Bezüge, die ihr Werk aufruft, sind mannigfaltig: Die Vertreibung aus dem Paradies, die Zerstörung von Lebensraum durch den Bau von Ölpipelines oder die Vernichtung der spirituellen Orte der Ureinwohner sind nur…

artde2102_article_008_01_01
2 minutos
kunst für eine bessere welt

Es war ein einmal ein östliches Bundesland mit dunklen Wäldern, sanften Bergen und lauschigen Tälern. Nach dem Vorbild von Alchimisten begannen die Bewohner Thüringens vor 250 Jahren, aus Feldspat, Kaolin und Quarz eine magische Masse zu mischen: Porzellan. Überall entstanden Manufakturen, in denen emsige Hände Gefäße und Figuren formten. Das hätte ewig so weitergehen können, weshalb 1992 lokale Enthusiasten die Thüringer Porzellanstraße gründeten. 27 Jahre später begab sich die Hamburger Fotografin Susanne Katzenberg auf diese Route und fand vor allem eines: verlassene Betriebe. Das Märchenland war abgewickelt, fast. Bei der Weimarer Porzellanmanufaktur in Blankenhain, gegründet 1790, waren die Brennöfen buchstäblich noch warm; es lief gerade das Insolvenzverfahren. Katzenberg berührte das so sehr, dass sie ihr Foto- und Buchprojekt Unverloren startete. Sie fing die Melancholie leerer Arbeitsplätze und prall gefüllter Formregale ein,…

artde2102_article_014_01_01
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kunst aus dem off

Seit wir von diesen bösen Kugelviren belagert werden, erscheinen uns Bakterien fast als harmlos. Vergessen ist die Panik, die ihre Existenz, einmal aufgedeckt, bei unseren Vorfahren ausgelöst hatte. Eben hatte man noch gedacht, alle Verderbnis rühre von schlechten Dämpfen, schon bevölkerten sich Wasser, Erde und sogar die Luft mit diesen vermehrungsfreudigen Winzlingen. Lange hatte man sich auf die wenigen üblen Krankmacher konzentriert, die man in Petrischalen züchten konnte und auf die bakteriellen Helferlein, die uns zu Sauerkraut, Bier und Käse verhelfen. Erst seit wenigen Jahren ist durch Elektronenmikroskop und vor allem Genforschung das Wissen über die erfolgreichste Lebensform aller Zeiten geradezu explodiert. Der kompakte Band von Ludger Weß aus der wunderbaren, von Judith Schalansky herausgegebenen »Naturkunden«-Reihe des Verlags Matthes & Seitz gibt unter dem sprechenden Titel »Winzig, zäh und zahlreich«…

artde2102_article_017_01_01
2 minutos
aktuell überschätzt

Van Gogh auf Sammeltassen? Modigliani auf Regenschirmen und Seidenschals? Kennt man zur Genüge. Ein Spülmittelhersteller scheint zu finden, dass die Kunst großer Meister mehr verdient hat, als zur bloßen Dekoration zu dienen. Sie soll dort erscheinen, wo wir für ihre Botschaft und ihre Schwingungen möglichst empfänglich sind – an einem Ort, an dem man zur Ruhe kommt und ganz bei sich ist. Wo wären diese Kriterien besser erfüllt als am heimischen Spülbecken?! Dort, wo man die Hände tief in warmes Wasser taucht, wo sich Soßenreste mit Brotkrümeln zu einer sinnlich greifbaren Erfahrung manifestieren und ein penetrant-blumiger Duft an schwüle Sommerabende erinnert. Hier packt einen die Message der Kunst ganz unmittelbar, fühlt man sich geradezu eins mit dem Werk. So oder so ähnlich müssen sich das die Produktentwickler und Marketingexperten der Firma…

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