Dörte Näkel steuert ihren Passat vorbei an Fachwerkhäusern ohne Fassade, ignoriert die schwarzen Löcher, die noch vor drei Wochen Wohnungen waren, passiert Schuttberge und Autowracks, eine braune Staubwolke aufwirbelnd. Sie umkurvt Bundeswehrtrucks, Feuerwehrlöschzüge und ein THW-Führungsfahrzeug, weicht einer Polizeisperre aus, holpert über Feldwege und erreicht schließlich eine Kelterhalle am Ortsrand. Dort steigt sie aus, zeigt auf die Hallenwand, zeigt auf das notdürftig mit Spanplatten gesicherte Tor und sagt: „Das sieht ja wieder toll aus!“
Dörte Näkel, 39, seit drei Wochen im Ausnahmezustand, schöpft erstmals wieder Hoffnung. Möglicherweise ist die Kelter ja ein Anfang. Das Gebäude ist lädiert, die Wand durchlöchert und alles, was darin war – Maschinen, Fässer, Flaschen –, verloren. Aber das Dach ist jetzt dicht, und der Schlamm,der die Arbeit der vergangenen Jahre unter sich begraben hatte, abgetragen.…
