Es war ein verdammt langer Tag und Lars Klingbeil hat im Regierungsflieger kaum Zeit gehabt zu schlafen. Nützt nichts. Auftaktfoto, Gespräch mit dem Vizepremier, noch ein Foto, Verhandlungsrunde, Round Table, Abschlussstatement. Um 21.30 Uhr, nach knapp zwölf Stunden auf chinesischem Boden, stellt sich der Vizekanzler und Finanzminister ein letztes Mal vor die Kameras.
Klingbeil wirkt ermattet, seine Augen werden mit jeder Frage kleiner, die Antworten einsilbiger. Per Nachtflug ist er zum Finanzdialog nach Peking gereist, während in Berlin der Konflikt ums Rentenniveau hochdreht. Nach 15 Minuten beugt er sich zu seinem Sprecher hinab, Klingbeil misst 1,96 Meter, und flüstert ihm etwas ins Ohr – nur noch ein paar kurze Fragen, bittet der prompt. Der Minister, erkennbar geschafft.
Seit einem halben Jahr geht das nun so, von frühmorgens bis spätabends, ob…