Liebe Leserin, lieber Leser,
wie sterben eigentlich Demokratien? Daniel Ziblatt, Politik-Professor in Harvard, hat dazu vor Jahren ein Buch geschrieben, das sich wie ein gerichtsmedizinischer Leitfaden für schwerkranke Staatensysteme liest. Seine wichtigste Diagnose: Demokratischer Tod vollzieht sich selten per Putsch, wie wir es vielleicht früher von Staatsstreichen kannten. Nein, er kommt eher schleichend daher, die Institutionen werden gleichsam abgeschliffen, was auch viel damit zu tun hat, dass wir sie schleifen lassen. Und: Es sind nicht die Outlaws, die wie einst im Wilden Westen einreiten und alles auf den Kopf stellen. Wirksamste Feinde der Demokratie sind in jüngerer Zeit Gestalten, die demokratisch gewählt wurden, im Amt dann aber beweisen, dass demokratische Prinzipien für sie höchstens Lippenbekenntnisse darstellen. In Ungarn verhielt es sich viele Jahre so unter Viktor Orbán, der die Rechtsstaatlichkeit…
