WENN DER ARZT DEN BLINDEN die Augenbinde abnimmt, wenn das Licht auf ihre Netzhaut fällt und die Welt erst als Ahnung, als heller Blitz oder tanzende Farben auftaucht, wird es oft ganz still. Ein junger Mann etwa, er sitzt auf einem Stuhl, blinzelt nur und rührt sich kaum, neigt bloß leicht den Kopf. Sofern man überhaupt etwas in seinem Blick erkennt, dann Überforderung. Freude oder Dank, sagt Pawan Sinha, das komme meist viel später, nach Monaten und Jahren. Die Patienten müssen das ja erst noch lernen: sehen.
Vor zwölf Jahren gründete Sinha, Professor für Neurowissenschaften am Massachusetts Institute of Technology in den USA, das Project Prakash. Eine Hilfsorganisation, die blinden Kindern und Jugendlichen in Sinhas Heimatland Indien ihr Augenlicht schenken möchte – und Forschern die einzigartige Möglichkeit gibt, zu verstehen,…