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Art & Architecture
AD Choice

AD Choice 2016

Ob Esstisch, Gartenliege, Polstermöbel oder Stuhl – die spannendsten Objekte werden von der Redaktion ausgewählt und in umfassenden Übersichten pro Produktgruppe präsentiert und eingeordnet. Darüber hinaus bietet die Ausgabe Inspiration und Anleitung, aber auch interessante Stories sowie einen Überblick über die wichtigsten Trends und Designer. Abgerundet wird das Heft durch ein Kompendium der wichtigsten Möbelhändler im deutschsprachigen Raum.

Country:
Germany
Language:
German
Publisher:
Condé Nast Germany GmbH
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in this issue

2 min.
zarter beton und smarte blüten

Als ich vor zwanzig Jahren anfng, meine Wohnung mit lauter Midcentury-Stücken einzurichten, ließ sich meine Mutter zu dem amüsierten Kommentar hinreißen: „Also bei Dir sieht es ja aus wie bei Oma.“ In der Tat mussten die honigbraunen Sideboards und Tische neben einem petrolblauen Samtsofa samt Cocktailsesseln auf sie, die ihre Kindheit in den fünfziger Jahren der hemdsärmeligen und nicht unbedingt weltläufgen Adenauer-Republik erlebt hatte, wie ein mufger Scherz wirken. Erst für den Nachgeborenen können frei von biografschen und historischen Kontexten alte Stile wieder lebendig werden. Wie Oma zu wohnen, kann eine ziemlich gegenwärtige Sache werden, wie einer der acht Looks beweist, die wir für unsere aktuelle Ausgabe von AD Choice zugespitzt haben: Der Granny Style der Stunde macht sogar vor echten Straußenfeder-Staubwedeln nicht halt. Sehen Sie selbst! (S. 74) Wem bei…

16 min.
first things first

Paravent Kein Mensch braucht einen Paravent. Trotzdem möchte plötzlich jeder einen haben. Und Designstudios realisieren Entwurf um Entwurf, einer spektakulärer als der vorherige. Doch woher kommt das kuriose Faltmöbel, das kaum mehr kann als schön sein? Die Spur führt nach China. Hier soll vor mehr als 2000 Jahren der Wandschirm erfunden worden sein. Statt Funktionen zu erfüllen, die man von ihm erwarten würde, wie vor Wind und unerwünschten Blicken zu schützen, Räume zu teilen oder zumindest zu dekorieren, kam er altarähnlich daher und als Meditationsobjekt zum Einsatz. Zum funktionalen Möbelstück wurde der Paravent erst etwas später in Japan, wo er sowohl Wand als auch Tür ersetzte und erstmals auch gefaltet auftrat. Fast gleichzeitig und lange bevor die Kolonialzeit die asiatischen Vorbilder in den Westen und in Mode brachte, schuf man sich…

1 min.
an neuen ufern

Natürlich geht auch die Wiederentdeckung des Art déco auf Paris zurück: Hier wurde der Begriff 1925 geprägt und hier lässt sich die mondäne Zwischenkriegszeit noch mit Händen greifen. Doch die Anspielungen sind subtil. Interiordesigner wie Anne-Sophie Pailleret arbeiten mit Vintages, mit Zitaten (der Mäanderstoff des Daybeds) und neoexpressionistischen Designs unserer Tage (die Türgriffe von Bonnemazou-Cambus). Das allein erklärt aber noch nicht den blitzartigen Déjà-vu-Effekt, der sich hier einstellt. Nein, genau so sah es vor 90 Jahren in Paris nicht aus – was Gestern und Heute indes verbindet, ist der Eindruck, man sei gerade in ein Aquarium gestürzt und über einem schlügen die Wellen einer geheimnisvollen, dunklen, anderen Stilwelt zusammen. Kurz verliert man den Halt, der Atem stockt – und setzt dann, bewundernd, wieder ein. Vielleicht ist beiden Epochen das Gefühl…

1 min.
inspiration

In der Welt von F. S. Fitzgerald: „In his blue gardens men and girls came and went like moths among the whisperings and the champagne and the stars.“ Nick Carraway in „The Great Gatsby“ Dekore und Emotionen, die ganze Räume fluten Farben Luxuriös, gar opulent, aber nie aufdringlich. Trotzdem: Gold geht immer, als Akzent oder im Total-Look, wie in der Suite des Hotels „Maison Souquet“, Paris (o.). Neben Schwarz und Weiß reihen sich auf der Palette: Violett, Petrol, Altrosa, Dunkelblau und -grün. Und Weinrot, wie im Bad von A+Z Design Studio (li. S.). Materialien Keine Angst vor schweren Stofen und dunklem Holz! Sie machen sich besonders gut neben glänzendem Metall, Glas und schimmerndem Marmor. Muster Hauptsache groß! Grafsches Zickzack, Rauten und Streifen trefen auf Ranken, Blätter und Fächer. Auch Wandmosaike wie „Fletcher“ von New Ravenna…

3 min.
vorwärts in die nächsten golden twenties

2 min.
reverenzen, noch nie gesehen

Nach dem Bling-Bling der New Economy und dem Beton-Look der Wirtschaftskrise scheint die Welt heute wieder bereit für rafnierten Glamour. Was steckt dahinter? Ich bin mir nicht sicher, ob diese Wahrnehmung stimmt. Gut, im Moment sieht man überall Messing und Marmor. Aber ich glaube nicht, dass sich das noch lange hält. Es geht immer um Trends: das „neue“ Metall, das „neue“ Holz, die nächste „neue“ Farbe. Immerhin wird das Art déco gerade wiederentdeckt, seine Muster, der Mix aus Grandezza und Komfort – alles, was auch Ihre Arbeit auszeichnet. Fühlen Sie sich dem Art déco nah? Natürlich ist diese Ära wichtig für Paris; in puncto Materialien, Muster und Linienführung ist sie eine Fundgrube. Möbel und Häuser von damals sind bis heute Inspirationsquellen. Das bleibt gar nicht aus, denn in allen unseren Projekten reagieren wir…