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Brigitte WIR

05/2021

"BRIGITTE WIR wendet sich an weltoffene und lebenskluge Frauen über 60, die jünger, fitter und unternehmungslustiger sind als jede Generation vor ihnen. Sie sind ganz viele, sie werden immer mehr – und sie wollen weder sich noch ihr Alter verstecken. Ihr Lebensgefühl: eher heiter. Die BRIGITTE WIR-Leserinnen können über vieles lachen, auch über sich selbst. BRIGITTE WIR ist ein neues Magazin, das die Wünsche, die Trauer und die Träume dieser Generation spiegelt. Es erzählt berührende Geschichten über den Verlust von Schönheit und Gesundheit, über den Wert von Freundschaft und spricht mit spannenden Künstlerinnen. Jede Ausgabe bietet neben Gesundheits-, Psycho- und Kulturthemen einen ausführlichen monothematischen Service-Teil, etwa zu den Themen Wohnen, Geld oder Medizin."

Country:
Germany
Language:
German
Publisher:
DPV Deutscher Pressevertrieb
Frequency:
Bimonthly
$4.43
$25.22
6 Issues

in this issue

3 min
editorial

Liebe Leserin, ZWEI DINGE erfüllten den weltberühmten Philosophen Immanuel Kant, der nie aus Königsberg herausfand, mit Bewunderung: der bestirnte Himmel über ihm und das moralische Gesetz in ihm. Wir selbst denken bei Moral eher an Erziehung, und dann gleich an Kölnisch-Wasser-umwölkte Tanten, die uns öde Puzzles schenkten, worauf die Mutter zischte: „Was sagt man?!“ Wir sagten also was Artiges, kriegten einen Rosa-Lippenstift-Kuss auf die Wange, die dann stundenlang nach Parfüm roch – und entwickelten ein Misstrauen gegen erzwungenen Dank. Das kann Almut Siegert, Autorin unserer Titelgeschichte (S. 16), gut verstehen. Dankbarkeit kann man zeigen, aber leider nicht fordern, das bringt nichts. Aber wenn wir entspannt bleiben, kommt sie vielleicht doch noch. Wie bei Gladys West, 91. Sie entwickelte als junge Frau eine bedeutende Technologie (welche, lesen Sie auf S. 48) –…

briwirde210901_article_003_01_01
2 min
mein silberfisch

Meine Freundin, der Silberfisch, ist sehr gut darin, Dinge, die außer Sichtweite liegen, zu vergessen. Aus den Augen, aus dem Sinn. Ich teile diese Einstellung übrigens. Vielleicht haben wir beide deshalb einen offenen Kleiderschrank? Wer weiß. Das Letzte, was meine Freundin nicht sah und somit vergaß: eine Metallplatte in ihrem linken Handgelenk, die nach einem Bruch vor Jahren alles zusammenhalten sollte. Das tat sie auch. Und noch mehr: Fein säuberlich säbelte die Platte langsam die Beuge-sehne ihres Daumens durch. Resultat: ein Daumen, der sich nicht mehr beugen lässt. Nun liegen also Hand und Unterarm für drei Monate (das schrie meine Freundin mir fast entgegen!) in einer Gipsschiene – und der Daumen angewinkelt mit einem Gummiband in der Handinnenfläche, damit er das Beugen wieder lernt. Royales Winken ist derzeit ein Kinderspiel für meine…

briwirde210901_article_008_01_01
11 min
wo die wilden kinder lernen

Zoë Readhead, 75, hat sich für unser Telefongespräch in den Schulgarten verzogen. Es ist kalt in Leiston an der englischen Ostküste. Aber das macht der schmalen Britin mit dem kurzen braunen Strubbelkopf nichts aus. „Ich war schon immer ein Draußen-Mädchen“, sagt die Tochter von A. S. Neill, der vor 100 Jahren das Internat Summerhill gründete, dessen Leiterin sie heute ist. Das antiautoritäre Konzept Neills wird bis heute fortgeführt. In einer Versammlung legen Kinder zum Beispiel per Abstimmung fest, wie sie im Internat leben wollen. BRIGITTE WIR: Das schlechte Image von Summerhill hält sich seit einem Jahrhundert: ein Haufen wilder Chaoten, die nichts lernen. Was geht hier vor? ZOË READHEAD: (lacht) Ja, bei uns denken immer alle an Sex, Drugs and Rock ’n’ Roll. Aber das gibt’s hier nicht. Wir haben knapp 300 selbst…

briwirde210901_article_010_01_01
10 min
braucht mein leben dankbarkeit?

Manchmal sind es gerade die kleinen Dinge, die alltäglichen Wunder, die dafür sorgen, dass Dankbarkeit unseren Körper durchflutet: der prächtige Regenbogen, den man auf dem Weg zum Einkaufszentrum plötzlich entdeckt. Der Lieblingssong, dessen erste Takte genau in dem Moment erklingen, in dem wir das Radio einschalten. Oder die Messenger-Nachricht der Enkelin: „Omi, freue mich aufs Backen nachher!“ In solchen Momenten sind wir ganz still vor Freude, weil wir ahnen, wie gut es das Leben mit uns meint. Oder auch die erste Stunde, wenn der schlimme Migräneschmerz nachlässt – was für eine Erleichterung, wie schön und leuchtend das Leben auf einmal wieder ist! Was Dankbarkeit für jeden Einzelnen und unser Miteinander bedeutet, darüber haben Denker schon vor Jahrtausenden sinniert. „Keine Schuld ist dringender als die, Dank zu sagen“, erkannte der Römer Cicero.…

briwirde210901_article_016_01_01
6 min
mögen sie brahms? dann kommen sie in unser team!

Die Tintern Abbey in Wales interessiert mich nicht. Null. Mich interessiert nicht, wie gut sie noch erhalten ist. Mich interessiert nicht, wie viele Poeten und Maler und andere nach Moder und Verfall Schmachtende sie inspiriert hat. Für mich ist sie ein Haufen Steine. Ich langweile mich darin zu Tode. Oh Gott, werden Sie jetzt sagen, was für ein Banause. Und wenn Sie dann noch erfahren, dass ich verheiratet bin, werden Sie sagen: Die arme Frau! Recht haben Sie. Meine Frau liebt Ruinen. Ich hasse Ruinen. Ich bin Mitte 50. Wenn ich etwas sehen will, das langsam kaputtgeht, stelle ich mich nackt vor den Spiegel. Aber meine Frau ist anders. Sie tänzelt über die vermoosten Steinplatten des Kirchenschiffs und macht „mystische“ Fotos, allesamt erhabene Sinnbilder der Endlichkeit. Ich spähe derweil auf die Uhr.…

briwirde210901_article_024_01_01
7 min
na? alles gut da oben?

Beginnen wir mit den guten Nachrichten: Es gibt keine schlechten. Jedenfalls, wenn es um Haare 60+ geht. Es sind nur veränderte Gegebenheiten, mit denen sich aber gut umgehen lässt und für die es eine (Experten-)Lösung gibt. Zum Beispiel führt der Anstieg männlicher Hormone in und nach den Wechseljahren dazu, dass die Haarwurzeln sich verkleinern. Das einzelne Haar wächst folglich im schmaleren Durchmesser nach. Interessant daran ist, dass die Anzahl der Haare eigentlich gleich bleibt – auch wenn das Haar lichter wirkt. Das ist nur ein Beispiel von diversen Veränderungen, die Sie vielleicht an sich selbst auch schon festgestellt haben. Aber eine Veränderung, die man in den Griff bekommt. Wie die meisten anderen auch, versprochen. Packen wir also die Herausforderungen beim Schopf! Mit der FARBE im Flow sein Die Farbe wirkt unentschlossen, neben vielen…

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