Die Soldaten kamen um fünf Uhr morgens, am ersten Tag des Ramadan. Es war Anfang Mai, der Lärm ihrer Lastwagen weckte das ganze Camp. Sie hämmerten an jede Tür, 117 Türen, so viele Häuser standen einmal im „Camp der Märtyrer“, einer Flüchtlingssiedlung am Rande der Stadt Arsal im Nordosten des Libanon, nah der syrischen Grenze. Die Bewohnerinnen – fast alle Witwen, deren Männer im Syrienkrieg umgekommen waren –, öffneten, zu Tode erschrocken.
„Sie sagten: Ihr müsst hier raus, eure Häuser sind illegal“, sagt Nour*, 38, Mutter von acht Kindern. „Sie zeigten uns, wie hoch ein Meter ist. Alles, was höher war, sollte weg. Wenn wir es nicht selbst machten, kämen sie wieder.“
Vier Monate ist das her. Heute leben Nour und ihre Kinder in einer aus Holz und Zeltplanen zusammengebauten…