Zwölf Uhr, Mittagspause in der Brasserie „Saint Jean“. Inhaber Karl Malette schenkt den Herren am blank polierten Tresen noch mal Weißwein nach, es geht um Politik. „Ich respektiere Macron“, sagt Laurent Marseille, der um die Ecke ein italienisches Restaurant betreibt. „Aber Frankreich steckt in der Scheiße“, sagt sein Sitznachbar, der Barhocker schwankt schon ein wenig. „Oh, là, là“, sagt Laurent, „ouf“, sagt sein Freund. Er ist selbstständiger Malermeister, er liebt seinen Beruf. Er möchte nicht, dass wir ihn fotografieren – erzählen will er trotzdem.
Die Auftragslage sei hervorragend, er könne arbeiten von morgens bis abends: „Aber, wissen Sie: Es lohnt sich nicht!“ Vor zehn Jahren, sagt er, konnten sie noch gut von seinem Gehalt leben, die Frau, die drei Kinder und er. „Jetzt krebsen wir rum. Am Monatsende sind wir…