Auch an diesem Tag braucht Lothar Wieler knapp zwei Stunden, um in Fahrt zu kommen, und man bemerkt kaum, wann und wie es losgeht. Aber am Ende ist Wieler wieder so weit.
„Unvorstellbar“, sagt er und noch mal: „Unvorstellbar!“ Oder: „Das beschäftigt mich sehr.“
Wieler wird auch jetzt nicht laut, wenn er wütend oder fassungslos ist. Er redet nicht schneller,bewegt sich nicht hektisch, er ist kein Mann, der aus seiner Haut fahren würde. Denn Professor Lothar Heinz Wieler, 60, Präsident des Robert Koch-Instituts und oberster staatlicher Seuchenbekämpfer, ist trotz allem ein ganz den Fakten verschriebener Wissenschaftler, loyaler Beamter, freundlicher Rheinländer qua Herkunft aus dem Nest Oberpleis bei Königswinter nahe Bonn. Er hält die Stellung, aber man sieht ihm an, dass ihn das Kraft kostet: die Form zu wahren, die Contenance,…