Olena Kowal und Alla Netschepurenko sind einander nie begegnet, nicht wissentlich jedenfalls, aber ihre Schicksale ähneln sich. Beide Frauen wurden in den 1970er-Jahren in Butscha geboren, jenem kleinen Ort nordwestlich von Kiew, der bislang wie kein anderer für das Grauen der russischen Kriegsführung in der Ukraine steht. Beide Frauen heirateten Männer, die von anderswo kamen – Olenas Mann, ein Ingenieur, aus dem Nachbarort Irpin, Allas Mann, ein Jurist, aus der evakuierten Reaktorstadt Tschernobyl. Beide brachten in Butscha Kinder zur Welt, beide lebten in Einfamilienhäusern, die ihre Männer selbst gebaut hatten.
Und beide sind nun Witwen.
Alla Netschepurenko, eine 49-jährige Kindergärtnerin, erzählt ihre Geschichte am Telefon. Wir saßen, sagt Alla, in unserem Haus, seit die Russen die Stadt besetzt hatten, ich, mein Mann Ruslan und unsere drei Söhne, Walerij, Andrij und…
