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Art & Architecture
Baumeister

Baumeister

10/20

BAUMEISTER stellt die komplexe Arbeitswelt von Architekten dar und zeigt Architektur in ihrer ganzen Emotionalität und Faszination. Spannendste Architekturprojekte, herausragende Innenarchitektur und Designinnovationen sowie Interviews mit den wichtigsten Köpfen der Branche. In vor Ort recherchierten Reportagen und exklusiven Essays werden die zentralen Fragen der Architekturwelt thematisiert.

Country:
Germany
Language:
German
Publisher:
Georg D.W. Callwey GmbH & Co. KG
Frequency:
Monthly
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12 Issues

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1 min.
editorial

Mit diesem Heft starten wir unsere dreiteilige Serie zum Thema „Bauen mit Holz“ und beginnen mit dem Wohnungsbau. Die Architekten und Architektinnen, deren Arbeit wir hier vorstellen, haben vor allem eines gemeinsam: Sie machen sich viele Gedanken über das Baumaterial. Sie alle hatten vor, möglichst viel Holz zu verwenden und kommen zu sehr unterschiedlichen Ergebnissen, denn die Auflagen sind streng: Schallschutz, Brandschutz, Fundament, Aussteifung und anderes mehr setzen Grenzen. Im Wohnungsbau ist deshalb eine Mischbauweise derzeit unumgänglich. Tatsächlich? Damit wollte sich eine prominent besetzte Forschungsgruppe nicht abfinden: Im Rahmen der IBA Thüringen machte sie sich daran, mit digitalen Werkzeugen einen reinen Holzbau zu entwickeln und zu bauen, der die gesetzlichen Forderungen erfüllt. Das beachtliche Ergebnis des Experiments, das „Timber Prototype House“, steht momentan vor dem IBA-Eiermann-Bau in Apolda. Holz reduziert…

1 min.
ein bild

Genau da, wo Brandenburg am brandenburgischsten ist, liegt Gentzrode – eine gute Autostunde von Berlin entfernt, vor den Toren der Fontane- und Schinkel-Stadt Neuruppin. Ganz versteckt im märkischen Kiefernwald ist hier ein Herrenhaus im Zeitgeist des orientalischen Historismus (1857/1880) zu entdecken, das seine einstigen Besitzer – die Kaufmanns-Familie Gentz – komplett in den Ruin trieb. Diese war durch Torfabbau zu Wohlstand gekommen und reiste viel, bevorzugt in den Orient. Den Prachtbau ließ man sich von Carl von Diebitsch entwerfen, der auch den Maurischen Kiosk in Schloss Linderhof gestaltete. Mit der Vollendung des Anwesens wurden Heino Schmieden und Martin Gropius, einer der großen Baumeister Berlins und Onkel des später weltberühmten Bauhaus-Pioniers Walter Gropius, beauftragt. Als das Torfgeschäft einbrach, musste der orientalische Traum abgestoßen werden. Er ging durch viele Hände und verfiel…

6 min.
recht auf weitblick

BAUMEISTER: Was ist das „Penthaus à la Parasit“? JAKOB WIRTH: Ein Bausatz für ein Penthouse mit einer Grundfläche von etwa vier Quadratmetern. Es ist in Einzelteile zerlegbar, weshalb man sich damit jede Dachfläche aneignen kann. Das ist die praktische Seite. Thematisch geht es uns dabei um die Wohnraumfrage: Wer darf im Zentrum der Stadt leben, und wer muss aus finanziellen Gründen draußen bleiben? Wer hat ein Recht auf das „Obensein“ und auf den damit verbundenen Weitblick? Deshalb verwenden wir den Slogan „Aneignung von oben“. Wir beziehen uns dabei auf die philosophische Definition des Begriffs „Parasit“ von Michel Serres, der damit eine gesellschaftliche Position beschreibt. Der Parasit ist demnach nicht als Schmarotzer zu verstehen, sondern führt durch die bewusste Irritation des Wirts etwas Neues in ein System ein. Dafür sucht er nach…

4 min.
„systemrelevante architektur“

Immer wieder friert das Bild ein. Immer wieder setzt der Ton aus. Die instabile Netzverbindung passt irgendwie zum Inhalt des Zoom-Gesprächs: Es geht um die Non-Profit-Organisation Supertecture. Doch der 37-jährige Architekt Till Gröner sitzt nicht etwa im Ausland, sondern wegen Covid-19 in Kaufbeuren. Hier hat er 2018 die junge Kooperative aus Architekten und Architektinnen gegründet. Gleich nach seinem Studium in Berlin wirkte Gröner an gemeinnützigen Architekturprojekten in Krisengebieten mit. So war er 2016 am Bau einer Kirche in Ruanda beteiligt, die sein Denken neu ausrichtete: Die Kirchen-Moschee verbindet nicht nur die traditionelle ruandische mit einer modernen Bauweise, sondern auch ein muslimisches Gebetshaus mit einem christlichen. Das Gebäude erregte international Aufmerksamkeit. Diese „Strahlkraft“ der Architektur, ihr „Wasser zu Wein“-Wert, wie Gröner es beschreibt, sei der Antrieb von Supertecture. Denn Architektur, mit der…

5 min.
holzhybrid zwischen dorf und stadt

Es war absehbar, dass die Verstädterung ihre Idylle schlucken würde. Von der kleinen Anhöhe am Seener Bahnhof, wo ihr Urgroßvater 1898 die Zimmerei gegründet hatte, sahen die Hagmann-Geschwister die Häuserblocks vom nahen Winterthur heranrücken. Darum entschlossen sie sich, dem anonymen Siedlungsbrei etwas entgegenzusetzen, das Gemeinschaft stiftet und ihren eigenen Kindern ein nachhaltiges Einkommen sichert: ein Bündnis Familie for future sozusagen, dem es wichtig war, das Projekt von der Konzeption bis zur Vermietung zu begleiten. Zu Beginn holte sich das Trio Anregungen bei den progressiven Genossenschaften, für die speziell Zürich in den letzten Jahrzehnten berühmt geworden ist. Ein befreundeter Architekt half dann, einen Wettbewerb zu organisieren, der ganz anders als üblich ablief: persönlicher, engagierter, mit Herzblut. Daraus ging 2012 das junge Zürcher Büro von Roger Weber und Boris Brunner als Gewinner…

5 min.
raumwunder auf restgrundstück

Mut zur Lücke nennt Barbara Poberschnigg von Studio Lois ihr Doppelhaus-Projekt – trotz einiger Hindernisse konnte sie es gemeinsam mit einem befreundeten Paar im Zentrum Innsbrucks im Lauf von vier Jahren realisieren. Das versteckt liegende, nur 400 Quadratmeter große, L-förmige Restgrundstück zwischen Supermarkt, Villen und ehemaliger Kerzenfabrik hatte die Innsbrucker Architektin schon seit Längerem im Blick. Es konnte mit seiner ruhigen, zentralen Innenstadtlage inmitten alter Gärten punkten, doch war es gemäß dem Bebauungsplan mit offener Bauweise nur beschränkt bebaubar und eine Wohnnutzung nicht möglich. Die Bauherrengemeinschaft kaufte – unter Zeitdruck – quasi ein „Überraschungspaket“. Es folgten ein intensives Studium der Raumordnungsdefinitionen, Untersuchungen und Gutachten, und schließlich wurde die Wohnnutzung genehmigt. „Die gesetzlichen Parameter waren eine große Herausforderung, doch zugleich auch indirekte Formgeber für das Gebäude“, erläutert Barbara Poberschnigg die Planungsgeschichte…