ZINIO logo
EXPLOREMY LIBRARY
Art & Architecture
Baumeister

Baumeister 1/20

BAUMEISTER stellt die komplexe Arbeitswelt von Architekten dar und zeigt Architektur in ihrer ganzen Emotionalität und Faszination. Spannendste Architekturprojekte, herausragende Innenarchitektur und Designinnovationen sowie Interviews mit den wichtigsten Köpfen der Branche. In vor Ort recherchierten Reportagen und exklusiven Essays werden die zentralen Fragen der Architekturwelt thematisiert.

Read More
Country:
Germany
Language:
German
Publisher:
Georg D.W. Callwey GmbH & Co. KG
Frequency:
Monthly
BUY ISSUE
R 123,69
SUBSCRIBE
R 1 237,29
12 Issues

in this issue

2 min.
editorial

Städtebau bedeutet in Europa heute zwangsläufig Geschichtsforschung. Das Vergangene ist eben präsent, die ganz frei bebaubaren Lücken gibt es in unseren Städten kaum noch. Wer immer heute baut, muss mit Bestand umgehen, Neu trifft zwangsläufig auf Alt. Und damit stellt sich die Frage, wer bei dieser Begegnung der dritten Art gewinnt. Nicht einfach ist dabei die Position heutiger Architekten angesichts der gesellschaftlichen Gefühlslage, dass in einem dubiosen „Früher“ eigentlich alles besser war – zumindest aber die Architektur. Mir gefallen die Beispiele in diesem Heft daher so gut, weil sie durchaus kontextuell arbeiten, sich aber keineswegs verstecken. Wenn Staab Architekten einem Zeughaus in der Münchner Innenstadt einen neuen Pavillon ins Zentrum setzen, dann verändert das selbstbewusst die Logik des Gebäudes. Und auch der Umbau des Wittenberger Schlosses durch Bruno Fioretti Marquez ist…

1 min.
ein bild

Das kulturelle Erbe der DDR umfasst eine Vielzahl an Kunstwerken im öffentlichen Raum. Doch zahlreiche Wandbilder von Künstlern der DDR sind mittlerweile entfernt, zerstört oder längst in Vergessenheit geraten. Seit Ende Oktober ist nun das aus 70.000 bunten Glasfliesen zusammengesetzte Wandmosaik „Die Beziehung des Menschen zu Natur und Technik“ von Josep Renau (1907 – 1982) zurück an seinem früheren Standort am Moskauer Platz in Erfurt. Mit der Rettung des 7 x 30 Meter großen Außenwandbilds finanzierte die Wüstenrot-Stiftung erstmals ein Werk architekturbezogener Kunst im öffentlichen Raum. Vier Jahre lang dauerten die Planung und die Restaurierung des Monumentalwerks. 2012 war das Mosaik mit der Neugestaltung des Moskauer Platzes von der Fassade des einstigen Kultur- und Freizeitzentrums abgenommen und eingelagert worden. Das Gebäude wurde kurz darauf abgerissen. Da sich die Ursprungssituation vor dem…

6 min.
sprachtherapie ist pop

Charles Jencks hatte ja recht. Die Architektur war Ende der 1960er in Schwierigkeiten geraten. Die Unterscheidung in Hochkultur und Populärkultur geriet unter Druck. War Architektur wirklich nur als Hochkultur denkbar? Nein, schrieb Jane Jacobs in ihrer 1961 erschienenen Anklageschrift „The Death and Life of Great American Cities“. Architekten, ihre Auftraggeber, der ganze kapitalistische Stadtumbau ab 1945 wurden von ihr darauf zurechtgestutzt, dass sie gegen den Willen der Bewohner und ohne jede Vernunft eine Schneise der Verwüstung in den gewachsenen Stadtvierteln hinterließen. Sie hätte das Buch auch über Berlin-Kreuzberg schreiben können. Doch was wäre eine „Architektur von unten“, die aus der Perspektive der normalen Leute entwickelt wird? Welche Architektur zieht ihre Kraft aus dem gewaltigen gesellschaftlichen Umbruch, den wir auf die Kurzformel „1968“ bringen? Die Maggie‘s Centres Charles Jencks hat dieser Frage zwei…

8 min.
architektur für den menschen

Gottfried Böhms Sohn Peter steht vor der Wallfahrtskirche in Neviges und sinniert, was wohl seinen Vater zu dem expressiven Sakralbau geführt haben mag. Immerhin hat der Mariendom am Rand des Bergischen Landes den Kölner Architekten auf einen Schlag weltberühmt gemacht. Die Kirche in dem Vorort des rheinischen Velbert gilt seither als die bekannteste moderne Sakralarchitektur Deutschlands. Prozess der Heilung „Mein Vater“, erzählt Peter Böhm, „hatte schon früh den Willen, den Glauben in Form auszudrücken.“ Das zeigte sich unmittelbar nach dem Krieg, als er die „Madonna in den Trümmern“ in der durch Bomben zerstörten Kölner Kolumbakirche barg und um sie herum eine kleine Kapelle errichtete. Das Überleben der „Trümmermadonna“ grenzte für die Kölner an ein Wunder. Die Kirche in der Nähe des Doms wurde zwar schwer beschädigt, doch die spätgotische Madonna blieb unversehrt.…

6 min.
wittenberger wandlungen

„Luther, so viel lässt sich mit Gewissheit sagen, hätte das Wort Gottes hier ebenso gerne studiert, wie die gut zwanzig Vikare in seiner Nachfolge heute.“ Gut möglich, dass Martin Luther hier einst aus einem der Fenster schaute. Allerdings wäre sein Ausblick aus dem Wittenberger Schloss, das sein Förderer und Beschützter Kurfürst Friedrich der Weise ab 1489 errichtete, damals noch nicht so wunderbar von einem Eichenholzrahmen gefasst gewesen. Ebenso wenig hätte er auf einer der kubischen Holzbänke im Gewände von Friedrichs Turmwohnung Platz nehmen können. Überhaupt wäre durch die kleinen Butzenscheiben kein so klarer Blick auf den markanten Turm der Schlosskirche möglich gewesen. Zu verdanken sind diese schön gefassten Ausblicke der mehrfach preisgekrönten Berliner Architekturmanufaktur Bruno Fioretti Marquez. Sie haben das Wittenberger Schloss zwischen 2012 und 2017 für 16,1 Millionen Euro um- und…

2 min.
... antje krauter

Kuratorin der Ausstellung Knippers Helbig „form:frei“ in der Architekturgalerie am Weißenhof 23.1. – 8.3.2020 BAUMEISTER: FrauKrauter, was war der Grund, die Ausstellung in der Weißenhofgalerie zu zeigen? ANTJE KRAUTER: DieArchitekturgalerie am Weißenhof versteht sich als Forum für Themen, die für Stuttgart wichtig sind. Sie ist aber auch ein Botschafter dessen, was in Stuttgart geleistet wird und über die Stadtgrenzen hinaus von Bedeutung ist. Dieser doppelte Bezug zum Ort steht im Mittelpunkt des Jahresprogramms 2019/2020, und in diesem Rahmen ist das Büro Knippers Helbig repräsentativ für die große Tradition Stuttgarter Ingenieurbaus, der über die engen Disziplingrenzen hinaus Inspiration für Kunst, Architektur und Stadt bietet. B : Gibt es in dem umfangreichen Werk des Büros einen Schwerpunkt, den Sie zeigen? A K : Vielfalt ist der Schwerpunkt der Ausstellung. Die Projekte, die die Ingenieure von Knippers…