Einmal allein durch die Säle streifen, wenn die Touristenhorden das Haus verlassen haben, wenn das Wachpersonal abgezogen ist, nur die Klimaanlagen leise surren, davon dürfte jeder Besucher der Uffizien träumen. Ungestört Botticellis „Venus“ bestaunen, Caravaggios „Bacchus“ zuprosten, Michelangelos „Tondo Doni“ wenigstens mit den Augen abtasten, ohne Selfie-Stangen vorm Gesicht.
Eike Schmidt darf das, schafft es sogar manchmal, kurz, im Morgengrauen, mit den Putzkolonnen, bevor die vom Jetlag aufgekratzten Japaner den Museumstag eröffnen. Seit anderthalb Jahren ist er Direktor des neben dem Louvre wohl berühmtesten Kunstmuseums der Welt. Er freut sich auf jeden Staatschef, der nach Florenz kommt, auf jeden diplomatischen Besuch, „das gibt mir die Chance, die Bilder mal in Ruhe anzuschauen“. Oder während einer Privatführung, „wenn ein Millionär kommt, der nicht mit der Masse durchs Museum ziehen will“. Kaum…
