Der Eroberer: Schulz gegen Merkel - das Duell um Deutschland • Fall Höxter: Das Drama der Opfer - warum griff niemand ein? • St. Moritz: Magisch und mondän: die ewige Schöne in den Alpen • Berlinale hautnah: Die Stars in privaten Momenten
Wie kündigt sich eine Niederlage an? Bei Sportlern spricht der Körper eine unmissverständliche Sprache. Sie ist für ihn selbst ganz klar zu verstehen und auch für die Zuschauer sichtbar: Ich kann nicht mehr, ich will nicht mehr, es hat keinen Zweck mehr. Genau diesen Eindruck macht Angela Merkel gerade auf mich. Die Regierungsarbeit hat sie ausgezehrt und ermüdet. Der Streit mit der CSU hat ihr vor Augen geführt, dass sie mit ihrer Schwesterpartei nur noch in einer Art Zwangsehe verbunden ist. Von Liebe keine Spur. Als Sigmar Gabriel noch ihr möglicher Gegner war, hat niemand ihre Kraftlosigkeit bemerkt. Ihre Müdigkeit wurde von seiner überdeckt wie von einer wärmenden Decke. Martin Schulz dagegen hilft seine zuweilen etwas nervöse Trippeligkeit besonders in dieser Phase der Wahlkampferöffnung. Er springt geradezu in die Schlacht.…
Donald Trump wird in die Geschichte eingehen, als der US-Präsident, der das Ansehen der USA in der Welt ruiniert und sein Land an die Wand gefahren hat. Martina McGinnis, Dittelbrunn Apokalyptische Dimension stern Nr. 7/2017, „Rammbock“ – wie der US-Präsident die Welt verstört Ihre Trump-Berichterstattung toppt jeden Krimi. Sie verbindet die Horroraktivitäten eines Welt-mächtigsten zu einem Mosaik von apokalyptischer Dimension. Trump bricht jegliche Negativrekorde: wirkmächtigster Trivialshowmaster der Neuzeit, erfolgreichster Dauerlügner aller Zeiten, effizientester politischer Amokläufer ever, demnächst wohl folgenreichster Wohlstandsvernichter des Jahrhunderts. Peter Hülcker, Norderstedt Zu viel der Ehre Es ist genug der Titel mit Donald Trump. Zu viel der Ehre – und auch negative Werbung ist Werbung. Andrea Gottwald, Bad Bocklet Trump liefert Mehr Demokratie geht nicht. Er hat im Wahlkampf angekündigt, was er umsetzen möchte, die Wähler haben…
DEUTSCHLAND Über die Buckower Felder an der Gerlinger Straße in Berlin-Neukölln weht kalter Wind. Ein Wachmann tut seine Arbeit. Bunte Luftballons mühen sich nach Kräften, ein wenig das Gefühl von Freundlichkeit, Freude und Hoffnung zu erzeugen. Das Land Berlin hat zum Tag der offenen Tür einer Flüchtlingsunterkunft geladen. Die fahlen Wohncontainer, eingezäunt und bewacht, bieten bis zu 504 Menschen Schutz. Ein Zuhause sieht anders aus, aber besser als eine Turnhalle ist es allemal. In Berlin leben etwa 15 300 Flüchtlinge in Notunterkünften. Für die tristen Metallboxen gibt es längst ein Wort, das viel netter klingt: Tempohomes.…
BRASILIEN Warum ausgerechnet Papa? Warum er? Kailua Albuquerque, Sohn eines Polizisten, hat seinen Vater verloren. Dabei wollte Papa doch nur Gutes tun, wollte einen Raubüberfall verhindern. Doch dann fielen Schüsse. Nun ist Papa tot. Er wird beerdigt. Und Mama versucht zu trösten. Der Bundesstaat Espírito Santo, nördlich von Rio de Janeiro, versank in der vergangenen Woche im Chaos. Polizisten streikten für mehr Gehalt. Weil ihnen das eigentlich untersagt ist, verbarrikadierten ihre Familien die Kasernen. Plünderer und Banden nutzten den Ausnahmezustand aus und töteten mindestens 90 Menschen. Einer von ihnen war Albuquerque.…
SPANIEN Eigentlich steht die Meeresschildkröte der Gattung Caretta unter Artenschutz. Aber was weiß ein herrenloses Fischernetz schon davon? Vor der Insel Teneriffa umgibt der Meeresmüll das Tier wie ein Kokon. Die Schildkröte kann noch so sehr kämpfen und strampeln – das Netz wird immer stärker bleiben. So schwimmt das Tier immer weiter, so weit die Kraft seiner Vorderflossen reicht. Kunststoffmüll wie dieser im Wasser der Weltmeere bedeutet für Schildkröten häufig den Tod. Für dieses Foto hat jetzt die Jury des renommierten „World Press Photo“- Wettbewerbs den Fotografen Francis Pérez ausgezeichnet. Erster Platz in der Kategorie Natur.…
Die schmutzige Flut läuft schon seit Langem auf. Wer sehen wollte, konnte erkennen. Es ist zehn Jahre her, dass ich – extrem flapsig, weil spontan und wütend – bei der Vorstellung des Buchs „Die Alpha-Journalisten“ formulierte: „Die guten Redaktionen sollten ihre Siele geschlossen halten, damit der ganze Dreck von unten nicht durch ihre Scheißhäuser nach oben kommt.“ Blogger empörten sich. Sie waren aber gar nicht gemeint. Die Bemerkung zielte, im Juni 2007, auf die schockierenden Erfahrungen, die Onlineredaktionen in offenen Diskussionsforen für ihre Leser gemacht hatten. Die Seiten mussten nicht selten geschlossen werden, weil sie von Antisemitismus und braunem Dreck überquollen. Das war zu einer Zeit, als das Internet noch als unschuldig galt, als Arkadien hierarchiefreier Kommunikation, Partizipation und Emanzipation. Der Antisemitismus ist heute weitgehend durch Antiislamismus ersetzt, und an…