Auch wenn gerade alles ätzend ist, bin ich doch eher eine „Krise als Chance“-Apologetin – und deshalb diesem blöden Virus irgendwie auch dankbar. Es bringt zwar vieles zum Erliegen, was wir essenziell vermissen, und um die Folgeschäden ist mir bange, aber die richtigen Dinge legt es eben auch lahm: den Flugverkehr, den Massenkonsum, die Nichtachtung des Pflegepersonals (eine bessere Bezahlung wäre allerdings angebrachter).
Es erzwingt Abstand, wo er schmerzt, aber auch an Stellen, an denen man froh darüber sein kann – in Supermärkten, in der Bahn, beim Yogakurs. Gedränge ist vorerst passé, distanzlose Wesen darf man endlich anknurren, und übellaunige Großstadt-Gesichter granteln in der Bahn weitgehend unbeachtet hinterm eigenen Vorhang. Geistig-seelische Hygiene ist jetzt wichtig, denn Vereinsamung und Budenkoller lauern überall. Und wie schützt man sich vor beidem? Vor allem…
