Geschrieben habe ich früh und mit Lust: rätselhafte Tagebucheinträge, herzzerreißende Liebesbriefe, neunmalkluge Schulaufsätze. Später studierte ich am Leipziger Literaturinstitut, und die Sache wurde ernst. Mein erstes Buch erschien. Ich schrieb viele Jahre weiter, Bücher und allerlei Kleinkram: Kolumnen, Theaterkritiken, Beiträge für Anthologien. Es lief gut, Lesungen, Stipendien, sogar Preise. So weit die Außenansicht.
Schreiben ist ein einsames Geschäft. Ungewaschen und in Schlabberhosen sitze ich am PC, raufe mir die Haare, fühle mich wie ein Analphabet. Ich springe vom Schreibtisch auf, renne in die Küche: Kaffee trinken, rauchen, Geschirrspüler ausräumen, kochen, telefonieren, zwecks Dehnung im Türrahmen hängen, noch einen Kaffee trinken. Zwischendurch stürze ich immer wieder zum Schreibtisch, hacke einen halben Absatz in die Tastatur, der auf dem Bildschirm prompt zu Staub zerfällt, fliehe sofort wieder in die Küche. Die Tagesausbeute…
