KÜHE, BRAUCHTUM – UND SCHNEE. DAFUR KOMMEN SIE HIERHER
Die Auspeitschung beginnt bei Sonnenuntergang. Der Folterknecht hat sein Opfer in den Pranger gespannt, Kopf und Arme sind zwischen Holzplanken fixiert, die Hände in Eisen gelegt. „So helft’s mir doch“, ruft der Mann. Lagerfeuerqualm steht über dem Tal, die Höhenzüge der Salzburger Alpen im Hintergrund glühen im letzten Tageslicht. Eine Kapelle heizt mit Trommelwirbeln die Stimmung an. Dann schnalzt die Lederpeitsche nieder.
Samia al-Awadi, 40, dunkelblauer, knöchellanger Mantel, beiges Kopftuch, begradigte Nase, steht mit offenem Mund da und schwankt zwischen Schmunzeln und Gruseln. „Oh my god“, sagt sie. „Das ist ja wie im Mittelalter hier.“ Ihr Mann Ibrahim, 43, Jogginghose, Ferrari-Rucksack, rotes Käppi, schaut besorgt. „Lässt der das wirklich freiwillig mit sich machen?“, fragt er kopfschüttelnd. Sohn Abdullah, 13,…