Es gibt einen Begriff aus der Umweltforschung, über den ich gerade viel nachdenke: shifting baselines. Geprägt hat ihn der Meeresbiologe Daniel Pauly, er beschrieb damit das Phänomen, dass sich die Definition, was beispielsweise ein „normaler“ Fischbestand sei, von Generation zu Generation verschiebe, weil das Wissen darüber, was vor Jahrhunderten üblich war, einfach verloren gegangen ist. Jede Forschergeneration setze einen neuen Referenzpunkt, gegen den die Entwicklung abgeglichen wird, und konstruiert eine neue Normalität, unmerklich verschoben. Das gilt nicht nur für Wissenschaftler, sondern für jeden auf der Welt: Das Artensterben beispielsweise ist für kaum jemanden wirklich persönlich spürbar – okay, vor 50 Jahren haben mehr tote Viecher an der Windschutzscheibe geklebt, aber sonst? Und dass die Sommer wärmer werden – ist doch herrlich!
Das Phänomen der shifting baselines, der kollektiven Wahrnehmungsverschiebung, lässt…
