Und er rennt los. Sprintet den Gang entlang, springt die Treppen hinauf, rechtsrum, linksrum – als wäre jemand hinter ihm her. Jens Spahn, Bundesgesundheitsminister, abgeschlagener Kandidat im Rennen um den CDU-Vorsitz, rast auf Adrenalin durch die Flure des Deutschen Bundestags.
Gerade eben hatte er noch eine Besuchergruppe aus seiner Heimat, dem Münsterland, empfangen, hat sich ein bunt besticktes Käppchen des Karnevalsvereins aufsetzen lassen und Fragen zum Pflegenotstand beantwortet, als plötzlich, unüberhörbar, seine Ledertasche zu brummen begann. Das Signal für jeden Abgeordneten, sich schnellstens zur Abstimmung in den Plenarsaal zu begeben. Doch Spahn sagte nur: „Nächste Frage“, und ließ noch eine Krankenschwester von ihrem Alltagsleid berichten. Seine Mitarbeiter, nervös, zeigten energisch auf ihre Uhren; draußen erklang der Gong, das ultimative Zeichen zum Aufbruch, doch Spahn bat – allen Ernstes! – um…